Nonagentive Konstruktionen des Deutschen

11. September 2011

Forschung, Projekte

Diese Studie widmet sich ausführlich der Beschreibung und Analyse nonagentiver Konstruktionen. Aus konstruktionsgrammatischer Perspektive sind das solche sprachlichen Muster, die auf der Ebene der Periphrase dem ‚Agens-Patiens-Schema‘ so genannter ‚Tätersprachen‘ entgegenlaufen, indem sie eine alternative Perspektive auf einen in Sprache ausgedrückten Sachverhalt etablieren. Darunter fallen passivische Konstruktionen oder mediale Konstruktionen, in die Verben als Filler eingebettet werden können und in deren Argumentstruktur kein Agens (AG) vorgesehen ist. Beispiele sind (aus dem KERN- und ZEIT-Korpus beim DWDS):

1999 / ZE / Die Zeit 15.04.1999 / Der Krieg wird irgendwann für alle Beteiligten zu Ende sein, und dann wird finanzielle Aufbauhilfe geleistet werden müssen. Ist dann die Allianz bereit, sich die Wunden des Krieges, emotioneller wie finanzieller Art, ebenso engagiert aufzubürden?

1999 / GE / Hannover, Heinrich, Die Republik vor Gericht 1975 – 1995, Berlin: Aufbau-Verl. 1999, S. 322 / Darüber hinaus ist unsere Blockade auch ein Akt der Solidarität mit Hunderten von Mitbürgern, die eben wegen einer solchen Blockade von Staatsanwälten angeklagt und von Richtern verurteilt worden sind.

1932 / WI / Klages, Ludwig, Der Geist als Widersacher der Seele, 3. Band, Teil 1: Die Lehre von der Wirklichkeit der Bilder, Leipzig: Barth 1932, S. 801-1248, S. 1117 / Wem hat nicht in Gegenwart seines Mädchens die ganze Welt golden geschienen?

1999 / GE / Kurz, Robert, Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a.M.: Eichborn 1999, S. 247 / Natürlich ist dieser Charakter des sozialdemokratischen Staatssozialismus auch den Zeitgenossen nicht völlig verborgen geblieben.

In der Studie nonagentive Konstruktionen wird ein großer Teil dieser verschiedenen Konstruktionen im Fokus stehen. In der Studie wird das Ziel verfolgt, sie als Konstruktionen mit eigener Perspektivierungsleistung zu beschreiben, sie in einem Netzwerk von Konstruktionen (‚Konstruktikon‘) zu verorten und Besonderheiten der Konstruktionen auf der Basis ihrer Realisierungen im Sprachgebrauch auf der Basis maschinenlesbarer Korpora (DWDS) systematisch zu erfassen.

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Die Studie wurde im Dezember 2015 an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Habilitationsschrift eingereicht. Die zitierten Beispiele sind in der Studie bearbeitete Belege. Im Oktober 2016 ist die Studie im Druck erschienen.

2 Kommentare - “Nonagentive Konstruktionen des Deutschen”

  1. Frauke Koslowski Says:

    Sehr geehrter Herr Prof. Lasch,

    ich habe Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen, genau wie Ihren Beitrag „Überlegungen zu non-agentiven Konstruktionen des Deutschen“ (2014). Leider kann ich keine weiteren Artikel von Ihnen finden, die die Konstruktion „sein + Part. II“ behandeln. Sind zu dieser Konstruktion weitere Veröffentlichungen geplant? Das Thema ist für mich von Interesse, da ich eine Masterarbeit zu dieser Konstruktion schreibe.

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Herzliche Grüße
    Frauke Koslowski

    Antworten

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