Dialogsteuerung 2.0 – ein ‚like‘ oder ‚+1‘ ist keine Kleinigkeit

20. März 2012

Sprachpunkt

Statt es mit der Anteilnahme per Mausklick zu übertreiben, könnte es im ein oder anderen Fall angebracht sein, auf ein „like“ bei Facebook oder ein „+1“ bei GooglePlus zu verzichten und statt dessen einen kurzen Kommentar abzufassen bzw. die Meldung / den Beitrag in seinem Netzwerk zu teilen. Denn so nützlich ein „like“ oder ein „+1“ als technische Hilfsmittel sein mögen, um eine Botschaft zu verbreiten, hinsichtlich ihres Aussagegehalts sind sie zu ambig, wie ein Nicken des Hörers (Hörersignal) im direkten Gespräch. Mit „like“ und „+1“ signalisiert ein Rezipient, dass er die Meldung / den Beitrag

  • wahrgenommen hat,
  • hervorheben möchte, da er den Umstand, dass die Meldung / der Beitrag veröffentlicht wurde, als wichtig erachtet,
  • in seinem Netzwerk teilt und empfiehlt,
  • hinsichtlich der Aufmachung für qualitativ gelungen erachtet,
  • hinsichtlich des gesamten Inhalts oder eines Teils davon positiv bewertet.

Diese Liste ist nicht abgeschlossen und zeigt nur einen Teil der möglichen Funktionen (der Rezipient kennt und schätzt den Verfasser, der Rezipient ermutigt den Verfasser zu weiteren Statements usw. usf.), die die Rückmeldezeichen „like“ und „+1“ übernehmen können. Sie sind elementar für die Kommunikation in sozialen Netzwerken. Diese wiederum ist hybrid,[1] nämlich hinsichtlich ihres Status als Gespräch bzw. als schriftgestützte wechselseitige Kommunikation: Medial schriftlich (Sprache der Distanz) erinnern viele ihre Merkmale an Dialoge und damit an konzeptuell mündliche Formen der Kommunikation (Sprache der Nähe).[2] Ein „like“ oder ein „+1“ sind vor diesem Hintergrund zu bewerten wie Zeichen der nonverbalen Kommunikation, wie ein Nicken, ein Kopfschütteln, ein Achselzucken — eben typischerweise Gestik und Mimik. Das Symbol des nach oben gestreckten Daumens — interkulturell höchst problematisch [3][4] — zeigt das augenscheinlich.

Da man allerdings nicht nur dem direkten Gesprächspartner mit dieser nonverbalen Geste etwas zeigen möchte, sondern der Öffentlichkeit des sozialen Netzwerkes, gibt es angemessene Orte für die Geste und weniger angemessene. Die Meldung etwa (Bild), das in Toulouse mehrere Tote zu beklagen sind in Folge eines vermutlich extremistisch motivierten Anschlages (Stand: 21.03.12, 07:35) der zur verurteilen ist, ist möglicherweise nicht der richtige Platz dafür. Denn auch wenn sie gemeint war im Sinne der ersten vier Bedeutungen, die oben in einfacher und offener Liste genannt sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass nicht auch die letzte Bedeutung greift: Jemand befürwortet den Inhalt oder Teile des Inhalts der Meldung / des Beitrags.

Zum einen wäre wünschenswert, dass Google und Facebook ein überschaubares Set an „Gesten“ („dislike“,[5] „-1“) nachliefern. Das wird aber nicht passieren, denn es widerspricht der Netzwerkphilosophie dieser beiden Anbieter. Für sie sind „like“ und „+1“ im engeren Sinne nur funktional im Sinne der ersten drei genannten Bedeutungen. Der Rezipient soll signalisieren, dass er die Meldung / den Beitrag:

  • wahrgenommen hat,
  • hervorheben möchte, da er den Umstand, dass die Meldung / der Beitrag veröffentlicht wurde, als wichtig erachtet, und
  • in seinem Netzwerk teilt und empfiehlt.

Zum anderen sollten die Nutzer der Netzwerke sorgsamer mit den Gesten, die zur Verfügung stehen, umgehen. Es wäre wie in oben genanntem Beispiel pragmatisch angemessener, hier zu den anderen Möglichkeiten zu greifen, die soziale Netzwerke bieten, um auf eine Meldung / einen Beitrag aufmerksam zu machen:

  • das Teilen der Meldung / des Beitrags und
  • die Kommentierung der Meldung / des Beitrags.

Facebook Google Plus GooglePlus Toulouse Anschlag Terror Soziale Netzwerke Like Dislike +1 -1 pluseins

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