Spielt man erst, wenn man weiß, dass man spielt?

Chess Set by Alan Light (CC-BY-SA-NC) Christine Stridde* sprach im Rahmen des Seminars „Pragmalinguistik“ über:

„ein minne diu si von minne schiet“. Minnespiel und Wortspiel in Ulrichs von dem Tuerlin „Arabel„.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen spieltheoretische Überlegungen und deren Bedeutung für die hermeneutische Arbeit am Beispiel der vormodernen Arabel, in der im Erzählen über ein (Schach-)Spiel durch das (Sprach-)Spiel unterschiedliche Dispositionen diskursiv verschaltet werden.

Zentral waren dabei die Präzisierung und Engführung des Spielbegriffs über das Merkmal der „Selbstreflexivität“, also die Beobachtung eines Bewusstseins der Spielenden, eben im Spiel und nicht im Nicht-Spiel zu handeln. Das führt über den homo ludens von Huizinga hinaus und wurde auch in anderen spieltheoretischen Überlegungen in dieser Deutlichkeit noch nicht vorgeschlagen.

Diese Engführung hat für linguistisch-pragmatische Kontexte bedenkenswerte Konsequenzen. Zwar werden damit alle Formen des frühkindlichen (Sprach-)Spiels etwa nicht mit unter diesen Spielbegriff zu fassen sein, dafür kann aber der Regelkommunikation (einer Form des „Sprechens im Spiel“), in der sich das Bewusstsein der Spielenden über den Status der gegenwärtigen Spielhandlung zeigt, ein wesentlich stärkeres Gewicht in der Interpretation von (Sprach-)Spielen beigemessen werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die unbedingte Konsequenzlosigkeit des Spiels für die Welt des Nicht-Spiels, in der die Spielenden nicht mehr geschützt sind, und damit zusammenhängend die Frage nach der Bewertung von Spielen, deren Ergebnisse in der Welt des Nicht-Spiels funktionalisiert werden. Das betrifft zwar im Engeren dann zunächst auch nicht die Welt des Spiels und dessen Eigengesetzlichkeit, hat aber dennoch Rückwirkungen auf das Spiel selbst, bis dahin, dass es seinen wesentlichen Reiz aus der Funktionaliserung zieht (z.B. alle Formen des „Glücksspiels“).

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* Christine Stridde hat in Dresden studiert, wurde in München promoviert (Verbalpräsenz und göttlicher Sprechakt) und arbeitet nun an der Universität Zürich an ihrer Habilitationsschrift Erzählen über Bande. Untersuchungen zur narratologischen und poetologischen Bedeutung und Funktion von Spielszenen in der mittelalterlichen Epik (Eintrag Forschungsdatenbank).

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2 Kommentare - “Spielt man erst, wenn man weiß, dass man spielt?”

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