Kreuzworträtselmord

Zum Teil gelöste Kreuzworträtsel -- die einzige Spur // Quelle: http://goo.gl/pYvgl

Zum Teil gelöste Kreuzworträtsel — die einzige Spur // Quelle: http://goo.gl/pYvgl

„Tötungsverbrechen in Halle-Neustadt ist aufgeklärt“. Hinter dieser einfachen Meldung vom 21. November 1981 in der Halleschen Tageszeitung steckt die Erfolgsmeldung im wahrscheinlich aufwendigsten Fall der Polizeigeschichte, der nur mittels schriftlinguistischer Erkenntnisse  aufgeklärt werden konnte: Über eine halbe Million „Schreibleistungen“ werden ausgewertet, bis der Entführer und Mörder Matthias S. des siebenjährigen Lars Bense nach 10 Monaten gefasst werden kann. Die Leiche des Jungen war an einer Bahnstrecke in einem Koffer gefunden worden — dieser war ausgestopft mit Zeitungspapier. Und das barg die einzige Spur: In den Zeitungen waren die Kreuzworträtsel von der selben Hand (teil-)gelöst.

Kreuzworträtselfall

Polizeiruf 110: „Der Kreuzworträtselfall“ (1988)

Welcher Aufwand betrieben werden musste, um anhand der Schreibproben den/die SchreiberIn und darüber auch später den/die TäterIn zu identifizieren, wird u.a. im Polizeiruf 110: „Der Kreuzworträtselfall“ (1988) verarbeitet und in der Dokumentation „Die großen Kriminalfälle: Der Kreuzworträtsel-Mord“ (2000) plastisch dargestellt.*

Anfang Februar 2013 widmete der MDR Thüringen dem „Kreuzworträtselmord“ einen Podcast im Rahmen der „Kulturnacht“ in zwei Teilen. Denn dieser Tage wird der Fall wieder aktuell. Zum einen ist Matthias S. Mitte Januar 2013 in Magdeburg verstorben, zum anderen hat das jüngst veröffentlichte  Buch Der Kreuzworträtselmord. Die wahre Geschichte von Kerstin Apel, der damaligen Freundin des Täters, die Staatsanwaltschaft Halle vor wenigen Tagen dazu veranlasst, den Fall wieder aufzurollen (MDR [1], [2], [3]// Spiegel Online // FAZ) — vermutet wird eine Mittäterschaft von Apel, die die Vorwürfe allerdings zurückweist.

Für das Seminar „Forensische Linguistik“ ist dieser Beispielfall auch dank hervorragender Dokumentation bestens geeignet, um (1) die Möglichkeiten und Grenzen der Handschriftenerkennung auszuloten. (2) Auch die Neuverhandlung des Falles, die die Staatsanwaltschaft Halle nun anstrebt, ist von Interesse für das Seminar. Welche Möglichkeiten sich hier für die Analyse bieten, bleibt aber noch abzuwarten.

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* Die Dokumentation (2000) und die Folge 123 des Polizeirufs (1988) sind bei bekannten Videoportalen verfügbar, leider jedoch nicht in den Mediatheken der ÖR.

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Aktuelle Meldungen:

Google News-Archiv „Kreuzworträtselmord„.

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