Gamification: „Lernen durch Lehren“ mittels „Game Books“

Als Gamification oder Gamifizierung (seltener auch Spielifizierung) bezeichnet man die Anwendung spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremdem Kontext. Zu diesen spieltypischen Elementen gehören unter anderem Erfahrungspunkte, Highscores, Fortschrittsbalken, Ranglisten, virtuelle Güter oder Auszeichnungen. Durch die Integration dieser spielerischen Elemente soll im Wesentlichen eine Motivationssteigerung der Personen erreicht werden, die ansonsten wenig herausfordernde, als zu monoton empfundene oder zu komplexe Aufgaben umsetzen müssen. Erste Datenanalysen von gamifizierten Anwendungen zeigen teilweise signifikante Verbesserungen in Bereichen wie Benutzermotivation, Lernerfolg, Kundenbindung, ROI, oder Datenqualität. (Quelle)

Wie wäre es, wenn Studierende ein „Game Book“ erstellten zu einem thematischen Seminar anstatt — wie häufig üblich — drei oder vier Referate in einer Sitzung zu bestreiten/zu hören?

Darf es mal etwas anderes sein? Mehr als zwei Referate in einer Sitzung lehnen Studierende ab, sind aber "auf Formen des Online-Lernens" gespannt.

Darf es mal etwas anderes sein? Mehr als zwei Referate in einer Sitzung lehnen Studierende ab, sind aber „auf Formen des Online-Lernens gespannt“.

Letzteres will niemand, ersteres bringt ’spieltypische Elemente‘ in die Lehre ein und animiert Studierende, sich aktiv(er) mit einem Gegenstand auseinanderzusetzen. Das gilt noch viel mehr dann, wenn sie ein „Game Book“ für Schüler der Sekundarstufe II als innovatives Online-Lernmittel erstellen sollen — eine alte Methode (Lernen durch Lehren) kommt dann voll zu ihrem Recht. Im Master-Seminar „Forensische Linguistik“ wird ein solches „Game Book“  entstehen. Es soll in die „Forensische Linguistik“ einführen am Beispiel eines fiktiven Falls. Demnächst haben wir das erste vorbereitende Treffen, ich werde hier über das kleine Projekt berichten und bin gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird, das im Seminar am Ende des Semesters präsentiert wird.

Ein „Game Book“ kann man sich vom Prinzip her am einfachsten vorstellen wie einen Kriminalroman, dessen Ausgang man durch Hinweise („blättere auf Seite X, wenn Du möchtest, dass Y“) selbst ‚bestimmen‘ kann — der Leser greift durch seine Entscheidungen in die Narration ein und bestimmt deren Verlauf effektiv mit. Ein „Gamebook“, so wird gern suggeriert, ist der kleine Bruder des „Text Adventures„, da beide irgend etwas mit „Text“ und „Interaktion“ zu tun haben. Tatsächlich jedoch haben sie darüber hinaus wenig gemein. „Text Adventures“ sind, was vor allem die technische Seite betrifft, ungleich komplexer aufgestellt als „Game Books“, die sich prinzipiell auch mittels Hypertext (z.B. mit einfachen Skriptsprachen wie HTML) oder in einem Wiki umsetzen ließen — Handlungsalternativen werden hier durch „Links“ offeriert.

Beide Möglichkeiten kann man nun — etwas Einarbeitung vorausgesetzt — mittels eines nützlichen Tools entwickeln, das von http://textadventures.co.uk/ angeboten wird. „Game Books“ und „Text Adventures“ erstellt man online (z.B. via Einbindung in Googles Chrome) oder mittels eigener Software (Quest), die kostenlos zum Download angeboten wird.

Quest-Oberfläche: Ein "Game Book" ("Nasses Gift") entsteht.

Quest-Oberfläche: Ein „Game Book“ („Nasses Gift“) entsteht.

Die "Startseite" des "Game Book" in der Vorschau.

Die „Startseite“ des „Game Book“ in der Vorschau.

In die „Gamebooks“ und „Text Adventures“ (die dann streng genommen keine mehr sind), lassen sich Grafiken, Videos und Audiodateien einbetten. Sie können online publiziert werden als eigenständige „Spiele“ (z.B. in der Rubrik „Bildung„), eine Veröffentlichung als App für iOS, Android und WindowsPhone ist ebenfalls möglich.

Update: Wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieser kleinen Projektidee kündigte Google an, dass in die Formulare, die über Google Drive erstellt werden können, nun auch Bilder integrierbar seien. Prinzipiell ist es damit möglich, „Game Books“ auch über diesen Dienst einzurichten und zu verwalten:

Dank der Möglichkeit, Bilder einzubinden, wird auch der Dienst Google Drive für die Erstellung von "Game Books" interessant.

Dank der Möglichkeit, Bilder in Formulare einzubinden, wird auch Google Drive für die Erstellung von „Game Books“ interessant.

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Das Artikelbild wurde aufgenommen und veröffentlicht von Roger McLassus.

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3 Kommentare - “Gamification: „Lernen durch Lehren“ mittels „Game Books“”

  1. Marko Says:

    Hört sich spannend an – ich werde auf alle weiter verfolgen, was sich bei Ihnen so tut! 🙂

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Die elfte Seminarwoche | Ines Herrmann - 4. Januar 2016

    […] Beispiel werden “Textadventures” durch Game Books, die Alexander Lasch auf seinem Blog vorstellt, gezeigt. (siehe z.B. iplayif.com) Damit schließt die […]

  2. Neues Jahr, neue Erkenntnisse | Ines Herrmann - 4. Januar 2016

    […] neu für mich: Game Books / Textadventures. Dazu werde ich zu einem anderen Zeitpunkt noch ein eigenes Statement pinnen. Danke an Herrn Dr. […]

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