‚Deppenapostroph‘ macht männlich – die „Deutsche Sprachwelt“ zeigt, wie’s geht!

17. Juni 2013

Sprachpunkt

Der so genannte ‚Deppenapostroph‘ ist dank Rechtschreibreform überhaupt nicht mehr so deppert, wie viele meinen. Kurz: Sobald ein Eigenname involviert ist, der morphologisch markiert bleiben soll, das heißt: erkennbar, ist fast alles erlaubt.

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Das hindert populistische Sprachkritiker_innen nicht daran, ein Fass aufzumachen, wenn sie irgendwo „Andrea’s Kiosk“ lesen. Wie jetzt die „Deutsche Sprachwelt“ (Facebook // Website) zustimmend weitergibt, könne der Kiosk in dem Fall nur „einem Idioten“ gehören. Aber nur in Italien, möchte man zwinkernd und lachend hinzufügen.

Dann stellt man fest: Die meinen das ernst. Das gilt für die über 190 User_innen, die Likes vergeben, viele der User_innen, die bisher Kommentare hinterlassen haben, und für die über 170 User_innen, die die Grafik weitergegeben haben, auch. Nur einer (Bernd Miller) gibt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Posts zu bedenken, dass man sich doch angesichts des strukturellen Fehlers an die eigene Nase fassen solle.

Da hätte man sogar in Animal Crossing seine Freude dran.Obwohl ich mir da überhaupt nicht mehr so sicher bin. Schließlich könnte der Post auch überhaupt nicht fehlerhaft sein, sondern sprachregulierend motiviert: Nach der ganzen ärgerlichen Gender-Debatte um die Uni Leipzig setzt man eben einfach auf das generische Maskulinum und fängt da sicherheitshalber bei „Idioten“ an.

Alle Implikationen dazu auszuleuchten, erspare ich mir aber. Stattdessen wünsche ich allen Leser_innen’s eine gute Nacht!

~~

In Situationen wie diesen fragt man sich, wo der „Bericht zur Lage der deutschen Sprache“ ist, der vor einem Vierteljahr vorgestellt wurde. Er ist jetzt in einer Kurzfassung zugänglich, die Veröffentlichung soll im Herbst 2013 erfolgen. Update (18.11.2013): Die Ergebnisse wurden nun bei de Gruyter publiziert.

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6 Kommentare - “‚Deppenapostroph‘ macht männlich – die „Deutsche Sprachwelt“ zeigt, wie’s geht!”

  1. Alexander Ebel Sagt:

    Kann doch auch sein, dass „Andrea’s Kiosk“ ihrem Mann gehört. 😉

    Antwort

    • Alexander Lasch Sagt:

      Nein (^-^). Es ist nicht wahrscheinlich, dass ausgerechnet die Sprachwelt korrekten Apostrophgebrauch an Vornamen von Mitbürgern mit Migrationshintergrund demonstriert oder dass Klaus Andrea Müller ausgerechnet den Zweitnamen nutzt, um seinen Kiosk zu benennen (Ockhams Rasiermesser).

      Antwort

      • Alexander Ebel Sagt:

        Nein, nein, ich meinte: Sepp besitzt den Kiosk. Aber weil’s attraktiver ist, benennt er ihn nach seiner Frau Andrea. Die ebenfalls attraktiver ist. 😉

        Antwort

        • Alexander Lasch Sagt:

          Ah. Ich sehe! Das ist zwar möglich aber zugleich noch einmal weit weniger wahrscheinlich. Also: Nein (^-^). Merke ich mir aber gern für den nächsten Apostrophen-Aufreger 🙂

          Antwort

          • Alexander Ebel Sagt:

            Ich muss ja gestehen, dass ich gerade auf diesen Beitrag angesprungen bin, weil mir der so eingesetzte Apostroph körperlich weh tut. Da kann er nach der Rechtschreibreform noch so erlaubt sein; die Reformer haben eine gewalttätige Attacke gegen mich gefahren. Das nehme ich denen persönlich. 😉

            Hier habe ich mich übrigens vor einigen Wochen selbst zu einer Sprach-Attacke hinreißen lassen: http://intelligentesleben.blogspot.de/2013/06/lasst-uns-ruhig-beten-wollen.html – wenn der Sprachwissenschaftler mit seiner Expertise sich dazu auf die eine oder andere Seite schlagen möchte: Nur zu! 🙂

            Antwort

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