Wo sind die PIRATEN? Eine Kritik an der Broschüre „Wie man wählt“ zur Bundestagswahl 2013 (#BTW2013)

Wahlhilfebroschüre für die Bundestagswahl in Leichter Sprache -- ohne die Piraten // http://goo.gl/8kAAp

Wahlhilfebroschüre für die Bundestagswahl in Leichter Sprache — ohne die PIRATEN // http://goo.gl/8kAAp



7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben (Stand: 2011). An sie sind Texte in ‚leichter Sprache‚ adressiert, um ihnen die Auseinandersetzung  mit der Gesellschaft, in der sie leben, möglich bzw. leichter zu machen. Dies gilt auch und gerade für die Bundestagswahl und deshalb verwundert „das sehr hohe Interesse behinderter Menschen an der vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen zusammen mit der Volkshochschule Hannover und der SoVD-Jugend herausgegebenen Broschüre Wie man wählt“ (einfach-teilhaben.de) an und für sich nicht. Bemerkenswert an der hier nicht im Detail analysierten Broschüre ist, dass sie sich auf das etablierte Parteienspektrum konzentriert und damit sehr wohl eine Auswahl vorschlägt, die nur an einer Stelle begründet wird:

Begründung für die Nennung der etablierten Parteien // http://goo.gl/NtlKT

Begründung für die Nennung der etablierten Parteien // http://goo.gl/NtlKT



Die „größten“ Parteien werden hier für die Broschüre exemplarisch herangezogen, um die Wahlvorgänge zu erläutern. Man darf sich zu Recht fragen kann, was der Königsmacher FDP in der Auflistung zu suchen hat, schließt man doch über dieses Kriterium der „Größe“ andere (kleine) demokratische Parteien aus, die ebenfalls ein Interesse daran haben, Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, mit einem speziellen Wahlprogramm zu adressieren, wie z.B. die PIRATEN (das ‚Leichte-Sprache‘-Blog Hurraki informiert). Eine solche Reduktion gerade in Bezug auf die Darstellung des Parteienspektrums ist zu kritisieren, steht doch zu befürchten, dass die adressierten Wähler_innen sich auf die ‚exemplarisch‘ genannten Parteien konzentrieren und die Einschränkung an dieser Stelle tatsächlich für das Wahlergebnis relevant wird. Weiter darf man fragen, ob andere Kriterien für die adressierten Leser_innen nicht wichtiger sind, wie z.B. das, ob sie als Wähler_innen überhaupt angesprochen werden und sich angesprochen fühlen.

Die Reduktion ist dabei nicht nur aus diesen Gründen fragwürdig, sondern auch dann, wenn man die ‚leichte Sprache‘ als wichtiges inkludierend wirkendes Instrument ernst nimmt. Anders als CDU, SPD, FDP, B90/Die Grünen und DIE LINKE machen die PIRATEN die Genese ihres Wahlprogramms öffentlich sichtbar und damit transparent. Man kann nachvollziehen, wie das Wahlprogramm in ‚leichter Sprache‘ entsteht, und wird nicht nur (irgendwann) das Ergebnis (einer ‚Übersetzung‘) zu Gesicht bekommen:

Liquid Election Manifesto -- das Wahlprogramm der PIRATEN in 'leichter Sprache' entsteht // http://goo.gl/OeOxZ

Liquid Election Manifesto — das Wahlprogramm der PIRATEN in ‚leichter Sprache‘ entsteht // http://goo.gl/OeOxZ



Warum aber ist es wichtig, dass die PIRATEN den Prozess der Genese des Programms sichtbar ausstellen? Abgesehen davon, dass die PIRATEN zum jetzigen Zeitpunkt erst die zweite Partei sind, die ihre Auffassungen für die Bundestagswahl 2013 zugänglich machen — nur die SPD war schneller (das ‚Leichte-Sprache‘-Blog Hurraki informiert) –, wird es in Zukunft an Beispielen wie diesen für die Forschung möglich sein, die Texte in ‚leichter Sprache‘ hinsichtlich ihrer Genese und damit Prozesse der Translation (also der einfachen ‚Übersetzung‘) bzw. die Produktion eines Textes in ‚leichter Sprache‘ auf der Basis einer noch zu erarbeitenden perzeptiven Grammatik zu vergleichen und zu analysieren.

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