Leichte Kost? — Wahlprogramme zur BTW13 in „Leichter Sprache“

Zusammen-Fassung der Ergebnisse in „Leichter Sprache“ (PDF, mit invertiertem Kontrast). Der Artikel ist nun auch bei polittrend zu lesen.

Die Wahlprogramme zur BTW 2013 in „Leichter Sprache“ — eine Analyse

Die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2013 liegen seit wenigen Tagen in „Leichter Sprache“ vor — Grund genug, sie sich (endlich) genauer vergleichend anzusehen. Zunächst bespreche ich allgemeine Merkmale der Texte (Umfang, Layout), bevor ich auf die einzelnen Programme auch im Hinblick auf inhaltliche Aussagen und das sprachliche Profil im Vergleich zu den Mitbewerbern eingehe. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass sich die Parteien nicht hinreichend unterschieden, kann man das — zum Glück — für die Programme in „Leichter Sprache“ zur Bundestagswahl überhaupt nicht sagen: Die PIRATEN legen ambitioniert 52 Seiten vor, die LINKE ein kurzes 10-Punkte-Programm, die CDU verzichtet gänzlich auf Abbildungen, die FDP druckt im quadratischen Format weiße Schrift auf blauen Grund, B90/die Grünen führen ein Begriffsglossar ein und die SPD stellt ihren Spitzenkandidaten in den Mittelpunkt.

Die Wahlprogramme in "Leichter Sprache" im Überblick.

Die Wahlprogramme in „Leichter Sprache“ im Überblick.

 

Das Parteienlogo als Anker.

Das Parteienlogo als Anker.

Die Programme haben alle eine unterschiedliche Anmutung und unterscheiden sich auch vom optischen Erscheinungsbild hinreichend voneinander. CDU, SPD und PIRATEN setzen auf traditionelles Layout, das bei den PIRATEN am konsequentesten weiterentwickelt wird hin zu einer „Blogstruktur“ im Printformat. Während die CDU überhaupt keine Illustrationen einsetzt, sind es wiederum bei den PIRATEN zu viele — die zusätzlichen „Anker“ (das Parteienlogo) gliedern zwar auch den Illustrationsteil, insgesamt wirken dadurch die einzelnen Seiten jedoch sehr dicht. Mit den Ankern sind starke und knappe Wir-Botschaften mit dem Namen der Partei verbunden, die auch als sprachliche Ankerpunkte sehr prägnant sind und im sprachlichen Vergleich der Programme durchschlagen werden. Am besten gelungen in Bezug auf die Darstellung ist das modernisierte Format von B90/die Grünen.

Das moderne Layout im Programm von B90/die Grünen (Auszug aus dem Begriffsglossar)

Das moderne Layout im Programm von B90/die Grünen (Auszug aus dem Begriffsglossar)

Farbwahl und Layout-Änderungen setzen den Entwurf der Grünen positiv von den anderen ab. Recht unkonventionell hingegen kommt die FDP daher: Sie führt nicht nur ein eigenes LS-Logo ein (LL: Leichter Lesen), sondern setzt auch auf helle Schrift vor dunklem Hintergrund. Diese Invertierung des Kontrasts kommt in der Regel dem Lesen zu Gute, aber der Hintergrund ist zu unruhig und die gelb gedruckten Überschriften stehen diesem positiven Eindruck eher entgegen. Erfreulich ist, dass sich die in den Programmen aufgenommenen Texte weitestgehend durch kurze Sätze auszeichnen – der Durchschnitt liegt bei 7,11 Wörtern je Satz. Die Relation zwischen Wortformen und Textwörtern (Type-Token-Relation) liegt im Schnitt bei 0,291 – je höher der Wert, umso mehr unterschiedliche Wortformen werden in einem Text verwendet. Gibt die Relation einen niedrigeren Wert aus, ist das Indiz für eine größere Anzahl von Textwörtern je Wortform, die dann häufiger wiederholt werden. Mit anderen Worten: Satzlänge und Type-Token-Relation können Indikatoren sein für ein Komplexitätsmaß von Texten. Alleine anhand dieser beiden Kennzahlen ist eine erste Einschätzung der Programme möglich. Die besten (niedrigsten) Type-Token-Relationen finden sich mit Abstand bei CDU und den PIRATEN – auch wenn beide Parteien recht umfangreiche Wahlprogramme vorlegen, so weist die Type-Token-Relation als Indikator auf einen überschaubaren Variantenreichtum des Wortschatzes hin. Auch hinsichtlich der durchschnittlichen Satzlänge sind diese beiden Programme positiv herauszustreichen: Die CDU bleibt weit unter dem Durchschnitt mit einer durchschnittlichen Länge von 5,79 Wörtern, die PIRATEN liegen auf Platz 3 hinter der SPD, die ihrerseits hinsichtlich der Type-Token-Relation auf Platz 3 liegt.

Das Wahlprogramm der FDP.

Das Wahlprogramm der FDP.

Ein eigenes Brot backt — wie beim Layout — die FDP: Ihr Programm ist vom Umfang her deutlich geringer als das der Mitbewerber, sprachlich jedoch deutlich komplexer. So liegt nicht nur die durchschnittliche Satzlänge mit 8,8 Wörtern recht klar über dem Schnitt, sondern auch die Type-Token-Relation und damit der Variantenreichtum des Wortschatzes (ohne weitere Berechnungen zum Komplexitätsmaß hier einzuführen) treibt den Durchschnitt als größter Wert in die Höhe. So wundert es nicht, dass zwei der drei längsten Sätze im Korpus im Programm der FDP zu finden sind:

FDP
Wir von der FDP haben für 2014 einen Finanzplan für den Staat gemacht, in dem am Ende kein Minus steht. (20)
Deshalb wollen wir für ganz Europa durchsetzen, dass die gemeinsamen Regeln für sicheres Geld von allen Ländern eingehalten werden. (19)

PIRATEN
Für alle Menschen, die so zusammen leben möchten, sollen auch die gleichen Rechte und Pflichten gelten, wie für die Ehe. (20)

Die Wahlprogramme im Einzelnen

Das ist gut, das soll so bleiben.

Titel zum CDU-Programm.

Das finden wir gut. Das soll so bleiben. | Zum Programm (PDF)

Die CDU ist routiniert, auf dem Plan. 37 Seiten, niedrigste Type-Token-Relation, kurze Sätze. Im Wahlprogramm sind die einzelnen Regeln für „Leichte Sprache“ so gut und präzise umgesetzt, dass man den Text als Modell nutzen könnte. Hauptsätze dominieren den Text, Wir-Botschaften nehmen breiten Raum ein, schwierige Begriffe werden durch Fettdruck und außerdem farbig hervorgehoben, dann erklärt. Zusammengesetzte Wörter — das sind Substantive, Adjektive und Verben — werden teils mit Binnentrennstrich realisiert. Der Verzicht auf LS-Illustrationen verwundert vor dem Hintergrund etwas; allerdings kann man sich damit auch nicht vor den Mitbewerbern absetzen.

Das finden wir gut. Das soll so bleiben. (Programm der CDU, 28).

Programm der CDU, 28.

Der Text in „Leichter Sprache“ besticht durch eine Vielzahl ikonischer Aussagen, die sich durch häufige Wiederholung einprägen. Das finden wir gut. Das soll so bleiben ist wohl die eindrücklichste Sentenz und die wichtigste dieser Formen. Darüber hinaus gehören in diese Gruppe: Dafür setzen wir uns ein, Dafür müssen wir etwas tun, Das finden wir schlecht usw. Die Spitzenkandidatin wird nicht in den Mittelpunkt gestellt — im Gegensatz zu übrigen Wahlkampfpraxen geht es im Programm nur um Inhalte der Politik. Die aber haben es stellenweise in sich: Den mit Abstand größten Raum nimmt das Thema Mehr Sicherheit und Freiheit ein (29-36): Mehr Kameras, Gute Technik für die Polizei, Junge Verbrecher schneller bestrafen, Frauen besser schützen, Verbrecher-Gruppen schneller bestrafen, Frieden in Deutschland, Ausländische Verbrecher weg-schicken, Verbrecher im Internet sind einige der Themen, die hier aufgerufen werden. Andere Fragen und Politikfelder rücken hingegen in die zweite und dritte Reihe.

Die Übersicht über die typischen Trigramme im Programm der CDU im Vergleich zu den Mitbewerbern soll noch kurz erklärt werden. Obwohl die Korpusgröße insgesamt zu gering ist (16.844 Token), habe ich mich für die Errechnung eines Chi-Quadrat-Profils entschieden. Die Angabe dieser Werte in der Übersicht (X2) ist nicht repräsentativ, sondern zunächst nur ein Indiz für möglicherweise signifikantes Auftreten eines Trigramms (einer Gruppe aus drei Wörtern) im Vergleich zu allen anderen Wahlprogrammen. Da man aus dem Chi-Quadrat-Wert nicht ablesen kann, ob ein sprachliches Element im Text auftritt oder nicht (das Auftreten wie das Fehlen können typisch sein), habe ich die Werte für die Differenz zwischen beobachteten Werten und erwarteten Werten (BW/EW) mit angegeben, so dass man bspw. sehen kann, dass der Text hinsichtlich des Auftretens des Trigramms „Wir Piraten wollen“ deutliche Unterschiede zu anderen Texten aufweist, aber gerade dadurch, dass das Trigramm in diesem Text nicht enthalten ist. Dass das Trigramm hier überhaupt aufgerufen wird, hat seinen Grund darin, dass die Teilkorpora der CDU, der SPD und der PIRATEN hinreichend groß sind, um im Vergleich zum Gesamtkorpus das Auftreten des Trigramms wahrscheinlich werden zu lassen (im Ggs. bspw. zu FDP und zur LINKEN, wie man sehen wird).

Das soll so bleiben -- der 'Abschlussbericht' der CDU im Vergleich zu den Mitbewerbern.

Das soll so bleiben — der ‚Zwischenbericht‘ der CDU im Vergleich zu den Mitbewerbern // http://goo.gl/b8B4aC

 

Titel.

Titel des Programms der SPD.

Das finden wir ungerecht [und] [d]arum wollen wir X. | Zum Programm (PDF)

An anderer Stelle habe ich das Programm der SPD schon etwas genauer beschrieben, weshalb ich mich hier auf den Vergleich zu anderen Parteiprogrammen konzentrieren werde. Das Programm der SPD fällt sehr traditionell aus: schwarze Schrift auf weißem Hintergrund, Grafiken unterstützen die Textaussagen, fettgedruckte violette Aussagen werden erklärt. Die Struktur komplexer zusammengesetzter Wörter (Substantive und Adjektive) wird meist durch Binnentrennstrich verdeutlicht, hier könnte man aber noch konsequenter sein. An der Adjektivschreibung (Adjektive: er-neuer-bar [S. 13]) erkennt man die Erweiterung der „Regeln für leichte Sprache“ im Vergleich zu 2009 unmittelbar. Mit einem Umfang von 28 Seiten liegt das Programm im Mittelfeld, die durchschnittliche Satzlänge ist mit 7,07 Wörtern je Satz etwas niedriger als der Gesamtschnitt (7,11). Die Kenndaten sind also gut und das Programm sehr solide, sprachlich ausgewogen. Für einen Angriff auf die Union allerdings fast zu solide: Die Kernaussagen sind sich sehr ähnlich. Impulse kann die SPD mit dem Programm setzen mit der Vorstellung des Kandidaten Peer Steinbrück und der Energiepolitik, die — gemeinsam mit B90/den Grünen — gegen die CDU aufgestellt wird. Sicherheitspolitische Aspekte nehmen bei weitem keinen so breiten Raum ein, wie bei der CDU. Weiter gibt die SPD als einzige Partei dem Wahlprocedere erstaunlich viel Raum. Hier darf man vor dem Hintergrund der sehr guten Broschüre „Wie man wählt“ nach dem Grund fragen. Die typischen Trigramme weisen die SPD als eine Partei aus, die soziale Aspekte stark berücksichtigt: Das finden wir ungerecht ist eine Formulierung, die signifikant häufiger Verwendung findet als in den Programmen anderer Parteien (aber auch bei der LINKEN aufscheint); das Darum wollen wir ist gegen die bisherige Politik der Regierung gerichtet. Beide Formeln lassen sich durchaus dem Das finden wir gut. Das soll so bleiben der CDU entgegensetzen. Familien- und Arbeitsmarktpolitik sind die großen Themen bei der SPD, ebenso die Reform des Wahlrechts (Absenkung des Mindestalters).

Darum wollen wir -- das "Reform-Handbuch" der SPD / http://goo.gl/UBQZWO

„Darum wollen wir“ — das ‚Reform-Handbuch‘ der SPD // http://goo.gl/UBQZWO

 

Titel.

Titel des Programms.

Grüne Veränderung: Wir wollen etwas tun | Zum Programm (PDF)

Das Wahlprogramm von B90/die Grünen hinterlässt einen hervorragenden Eindruck; es ist der heimliche Favorit dieses Vergleichs, wenn man sprachliche und gestalterische Aspekte berücksichtigt. Es weist ein modernes und durchdachtes Layout auf und kann bezüglich der Darstellung neue Akzente setzen. Positiv hervorzuheben ist das Begriffsglossar, das das Programm einleitet. Hier sind allerdings bei der Erstellung zwei sprachliche Lapsus unterlaufen, von denen der eine schwerer wiegt, als der andere. Um Rechtsextremismus zu erklären, wird der politisch (wohl eher) nicht korrekte Begriff Ausländer verwendet und in Bezug auf die Energiewende thematisiert man die Angst der Menschen vor der Atomkraft noch immer gern.

Programm von B90/die Grünen, 11.

Programm von B90/die Grünen, 11.

Letzteres schlägt aber nicht mehr so deutlich durch wie noch im Programm von 2009. Was die Komplexität der sprachlichen Umsetzung angeht, liegt man im Mittelfeld: Die mittlere Satzlänge könnte weiter abgesenkt werden und die Type-Token-Relation ist im Vergleich zu CDU, SPD und PIRATEN zu hoch. Die typischen Trigramme weisen B90/die Grünen als Macher aus. Wir wollen etwas dafür tun lässt sich den Formeln von CDU und SPD deutlich entgegensetzen, die Ziele werden klar formuliert und die Schwerpunktthemen sind die Grüne Veränderung in jedem Lebensbereich und vor allem im Hinblick auf die Energiewende. Viel stärker als bei anderen Parteien werden bei B90/die Grünen die Spitzenkandidat_innen ins Spiel gebracht — ihre Namen tauchen dann auch unter den typischen Trigrammen auf und man konnte ihnen offensichtlich nicht ihr Motto abschlagen, dass dann selbstredend erläutert wird: Auch Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind grüne Politiker. Sie setzen sich ein für: Realismus und Weitsicht verankert in klaren Werten. Das heißt: Sie haben einen Plan, den man umsetzen kann. Sie denken an die Zukunft. Sie sagen was sie denken. Sie halten was sie versprechen (30).

Die typischen Trigramme im Programm von B90/die Grünen // http://goo.gl/VTkNAD

Die typischen Trigramme im Programm von B90/die Grünen // http://goo.gl/VTkNAD

 

Titel zum Programm der FDP mit eigenem "Leichter Lesen"-Logo.

Titel zum Programm der FDP mit eigenem „Leichter Lesen“-Logo.

Starke Wirtschaft, stabiler Euro | Zum Programm (PDF)

Das Programm der FDP hatte ich schon mehrmals kurz angesprochen, vor allem, da es in Bezug auf die sprachliche Gestaltung sowie das Layout aus dem Rahmen fällt. Die längsten Sätze und die höchste Type-Token-Relation fallen negativ auf. Positiv ist anzumerken, dass es vom Umfang her überschaubar bleibt. Die Kandidat_innen der FDP werden namentlich und mit Foto vorgestellt und die wichtigsten Themen der FDP wie starke (Welt-)Wirtschaft, sichere Währung, Bildung sowie Freiheit und Wohlstand spiegeln sich in den typischen Trigrammen wider. Auffällig ist im Vergleich zu den anderen Programmen, dass einleitende Wir-Botschaften und Positionierungen fast gänzlich fehlen; dafür wird die Selbstbezeichnung Wir von der FDP etabliert. Wie B90/die Grünen operiert auch die FDP mit der Angst — hier allerdings nicht vor der Atomkraft und ihren Auswirkungen, sondern vor dem Verlust der eigenen Ersparnisse.

Starke Wirtschaft, stabile Währung -- die typischen Trigramme im Programm der FDP // http://goo.gl/yMPb36

„Starke Wirtschaft, stabile Währung“ — die typischen Trigramme im Programm der FDP // http://goo.gl/yMPb36

 

Titel des Programms der LINKEN.

Titel des Programms der LINKEN.

Für die Allgemeinheit! | Zum Programm (PDF)

Knapp, knapper, die LINKE: Acht Seiten reichen aus, um die wichtigsten zehn Punkte des politischen Programms der LINKEN in „Leichter Sprache“ zu vermitteln. Einen starken Eindruck hinterlässt der Stempel 100% SOZIAL auf dem Titel. Vom geringen Umfang des Programms darf man sich allerdings nicht täuschen lassen: In Bezug auf Satzlänge und Type-Token-Relation weist nur das Programm der FDP schlechtere Werte auf. Die typischen Trigramme sind hier — auch weil die LINKE wie die FDP auf Wir-Botschaften weitestgehend verzichtet — thematischer Art und rücken die Kernpunkte des Programms in den Mittelpunkt: Bezahlbare Energie, bezahlbare Wohnungen, bessere Entlohnung ehrlicher Arbeit, Beendigung der Auslandseinsätze und prinzipiell eine sozial gerechtere Gesellschaft sind die Ziele der LINKEN.

Typische Trigramme im Programm der LINKEN // http://goo.gl/UZvl9i

Typische Trigramme im Programm der LINKEN // http://goo.gl/UZvl9i

 

Titel des Programms.

Titel des Programms.

Wir Piraten sind für Freiheit. | Zum Programm (PDF)

Das Programm der PIRATEN ist sehr ambitioniert. Die sanfte und gut gelungene Modernisierung des traditionellen Layouts wurde schon kurz angesprochen, die mittlere Satzlänge ist sehr gut und die Type-Token-Relation erreicht einen guten Wert. Die Wir-Botschaften auf Textebene sind mit dem Parteienlogo auf Bildebene verknüpft und bilden so wichtige „Anker“ im Text. Das ist auch notwendig, denn dieser hat mit insgesamt 52 Seiten den größten Umfang und ist fast doppelt so lang wie die meisten anderen Programme! Das ist ein schwer wiegender Kritikpunkt: Wer nicht richtig lesen kann, dürfte von dem ansonsten sehr gut formulierten Text — der, wie man an den Trigrammen sieht, noch einige Wiederholungen verträgt, um thematische Schwerpunkte zu setzen — dennoch zurückschrecken. Da die PIRATEN jeden der „Anker“ mit einer Wir-Botschaft einleiten, kann man aus den typischen Trigrammen kaum thematische Schwerpunkte herauslesen, die nicht auch schon von anderen Parteien abgedeckt wären. Hier hätte sich u.U. angeboten, ähnlich wie die LINKE eine Liste mit den wichtigsten Botschaften (Wir Piraten sind für Freiheit! Wir Piraten setzen uns für einen starken Schutz von Daten ein! usw.) auszugliedern und zu veröffentlichen (noch ist ja dafür Zeit!) oder verstärkt auch explizite Wiederholungen einzusetzen.

"Wir Piraten sind für Freiheit!" -- die typischen Trigramme für das ambitionierte Programm der PIRATEN // http://goo.gl/UqLqAo

„Wir Piraten sind für Freiheit!“ — die typischen Trigramme für das ambitionierte Programm der PIRATEN // http://goo.gl/UqLqAo

 

Ein kurzes Fazit

Das sprachliche Niveau der Wahlprogramme ist wie 2009 gut, einzelne Aspekte sind verbesserungswürdig — am besten gelungen sind die Texte für die Programme der CDU, der SPD und der PIRATEN, letztere sind aber hinsichtlich des Umfangs etwas über das Ziel hinausgeschossen. Insgesamt — bezieht man auch Fragen des Layouts ein — liegt das Programm von B90/die Grünen vorn. Wichtige und gute Ansätze (die „Anker“ der PIRATEN und das modernisierte Layout für das Programm von B90/die Grünen) können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Zukunft weitere Verbesserungen ausstehen. Das gilt vor allem für das Programm der FDP.

Für die nächsten Wahlen wird verstärkt die inhaltliche Ausrichtung der Programme in den Fokus der Analyse rücken.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Leichte Sprache Wahlprogramme genau angeschaut | Hurraki Tagebuch - 24. August 2013

    […] Sprachpunkt – Leichte Kost? — Wahlprogramme zur BTW13 in “Leichter Sprache” […]

  2. Leichte Sprache Wahlprogramme genau angeschaut (Fortsetzung) | Hurraki Tagebuch - 18. September 2013

    […] Im August hat Alexander Lasch die Wahlprogramme angeschaut. Das Hurraki Tagebuch hat darüber berichtet. Siehe: Leichte Sprache Wahlprogramme genau angeschaut Das Ergebnis gibt es auf seinem Blog: Das Blog heißt: Sprachpunkt […]

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