Warum die „große Hure Duden“ sich nicht wehren wird

2. September 2013

Sprachpunkt

Bei Duden in Mannheim gehen die Lichter aus (© Rinderspacher).

Der Verein deutsche Sprache (VdS) hat ‚den‘ Duden zum „Sprachpanscher des Jahres 2013“ gewählt und greift auf ein Zitat aus der Hamburger Zeit zurück, die den Duden als „große Hure“ bezeichnet haben soll. Kritik hagelte es bereits hier, hier oder hier — zum Thema ist, betrachtet man einige Beispiele aus der langen Reihe der sprachpflegerischen Aktivitäten des VdS, alles gesagt. Platz 2 belegt übrigens Wolfgang Schäuble, „der durch sein Insistieren auf Englisch selbst in Anwesenheit von Dolmetschern allen Versuchen in den Rücken falle, Deutsch als echte Arbeitssprache glaubhaft in der EU zu verankern“ — von ihm wünsche ich mir eine englischsprachige öffentliche Erklärung an den VdS. Aber man soll die schwere Last, die Schäuble auf den Schultern trägt, nicht ins Lächerliche ziehen: Ähnlich wie BP Gauck muss auch er mit der Bürde der Kompetenz in einer anderen Verkehrssprache zurechtkommen. Ein hartes Los.

Und man muss sich fragen: Wo sollen denn Schäuble und Gauck nachschlagen, wenn sie sich denn doch einmal — Gott bewahre — auf das Deutsche zurückverlegen müssen. Im Duden? Das vielleicht, aber der ist leider längst nicht mehr, was er einmal war. Das liegt allerdings nicht an der lexikologischen und lexikographischen Arbeit, die der VdS zu Unrecht kritisiert, sondern vielmehr an den gegenwärtigen Entwicklungen, die für den Verlag, der ‚den‘ Duden herausgibt, sehr ernst sind.

Ich muss zugeben, ich mag den Duden und seine Arbeit. Und die Wörterbücher, die ich gern verwende. Von der Bedeutung der Duden-Grammatik — auch für die akademische Ausbildung — will ich gleich überhaupt nicht sprechen. Nun kann man vielleicht wissen, dass es weder ‚den‘ Duden, noch ‚die‘ Duden-Redaktion geschweige denn ‚den‘ Duden-Verlag gibt. Dieser ist nämlich eigentlich das Biographische Institut (BI) und gehört der Cornelsen-Gruppe, die das BI am Traditionsstandort Mannheim spätestens 2014 schließen wird. Der Duden wird im Moment im wahrsten Wortsinne abgewickelt. Deshalb wird man wohl auch eher nicht erwarten können, dass sich die bald gekündigten Mitarbeiter_innen zur Wahl verhalten. Man hat andere, ernste Sorgen.

Dass der Duden als Institution bedroht ist, scheint der VdS nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen. Und das muss doch sehr verwundern, wenn man an der deutschen Sprache interessiert ist.

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