Rezension zu „Schreiben digital“ (Dürscheid & Frick 2016)

12. November 2016

Publikationen, Rezensionen

Rezension zu

Christa Dürscheid & Karina Frick. 2016. Schreiben digital. Wie das Internet unsere Alltagskommunikation verändert (Einsichten 3). Stuttgart: Kröner. 156 Seiten, 21 Abbildungen. 14,90€

Bevor man sich dem, das sei verraten, gut lesbaren, unterhaltsamen und ansprechend gestalteten Schreiben digital von Dürscheid & Frick zuwendet, lohnt ein Blick auf das Ziel der Einsichten, um den Band einordnen zu können. Kröner bewirbt die Reihe, in der bisher Nationalismus. Ein Essay über Europa von Peter Alter und Soziale Kälte. Rückkehr zum Wolfsrudel? von Hans- Ulrich Huster erschienen sind, so:

„Klug, hintergründig, scharfsinnig – und dabei ohne jeden Fachjargon -, blickt die neue Kröner-Reihe hinter die Kulissen von Entwicklungen, die die Gesellschaft bewegen. Dabei geht es nicht nur um Themen, an denen sich schon Myriaden von Journalisten abgearbeitet haben; die Essays der Reihe beweisen ihr Gespür für die Welt von morgen.“ (Werbeeinlage)

Wer also von Schreiben digital erhofft, dass hier zwei im Thema ausgewiesene Linguistinnen die Forschung zum Thema weitertreiben, wird nicht alle seine Erwartungen erfüllt sehen. Denn das Ziel ist ein anderes: Zwar sollen aktuelle Forschungen zum Zusammenhang von „Sprache und internetbasierter Kommunikation“ vorgestellt werden, wichtiger jedoch ist aber der Transfer von wissenschaftlichen – wie immer: vorläufigen – Ergebnissen in die Öffentlichkeit und die Stellungnahme zu gesellschaftlich immer wieder diskutierten Fragen. Der Band ist in vier Kapitel gegliedert, von denen die ersten drei thematischen Kapitel gleich gewichtet sind. Kapitel 1 stellt „neue und alte Kommunikationsformen“ nebeneinander, Kapitel 2 widmet sich den „Merkmalen des digitalen Schreibens“ und Kapitel 3 den „Folgen der Internetkommunikation“ – wie am Titel schon zu erkennen, werden hier die Sorgen und Befürchtungen in  Bezug auf so genannten ‚Sprachverfall‘ und ‚Kompetenz- und Fähigkeitsverlust der Heranwachsenden‘ an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit thematisiert. Das vierte Kapitel blickt (leider sehr) knapp aus auf „neue Praktiken, neue Möglichkeiten“. Abgeschlossen wird Schreiben digital durch ein Literaturverzeichnis, das aktuelle und relevante Literatur zum Thema aufschließt.

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Unter „neuen und alten Kommunikationsformen“ (Kap. 1) diskutieren Dürscheid & Frick die Gegenstände, die seit Ende der 1990er Jahre Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung sind, wenn man auf das Thema „Sprache und internetbasierte Kommunikation“ blickt. Das sind im Wesentlichen „Kommunikationsformen, die heute schon leicht verstaubt wirken“ (58) und Kommunikationstechniken des Web 1.0: Chat-Kommunikation, E-Mail-Kommunikation, SMS-Kommunikation. Brücken werden zu Telegramm- und FAX-Kommunikation, Post- und Briefkartenkommunikation geschlagen. Im Zusammenhang mit der E-Mail-Kommunikation wird das äußerst einflussreiche Konzept von Koch und Oesterreicher zu medialer und konzeptioneller Mündlichkeit wie Schriftlichkeit vorgestellt. Ursprünglich für die Analyse von medialen Übergängen von oralen zu semioralen zu schriftbasierten Kulturen entworfen, setzte sich dieses Konzept (wenn auch nicht immer passgenau adaptiert) Ende der 1990er Jahre zur Beschreibung von Kommunikationsformen durch, die zwar medial schriftlich sind, aber dennoch Merkmale konzeptioneller Mündlichkeit aufweisen (36). Es wird die Basis bilden für das Kapitel 2. Die Perspektive auf Telegramm und FAX sei herausgehoben, denn Dürscheid & Frick legen den Schwerpunkt darauf, dass man bei bestimmten Übertragungsmöglichkeiten zwar noch von „Telegrammen“ oder „FAXen“ spreche, technisch aber längst (Telegramm) oder meist digital (mittels z.B. FAX- oder Cloudservern) übermittelt und empfangen werde (48) – die technischen Bedingungen ändern sich und alte Übertragungsmöglichkeiten werden nach und nach abgelöst, allerdings sind die Kommunikationsformen funktional (noch) nicht überholt.

Das weltweit letzte Telegramm wird Mitte 2014 von der staatlichen Post Indiens versendet .

Das weltweit letzte Telegramm wird Mitte 2014 von der staatlichen Post Indiens versendet.

Auch in Bezug auf das Kommunikationsphänomen Postkarte wählen sie einen Blick, der dem Darstellungsziel folgt: Die Postkarte sei sowohl im „alltagssprachlichen Denken als auch im wissenschaftlichen Diskurs“ (schon immer) geringgeschätzt (53) und werde, so mit Holzheid 2011, als „kommunikative Schrumpfform“ (54) zum Brief  betrachtet. Auch wenn Dürscheid & Frick das nicht explizieren, so kann man an diesem Beispiel sehen, dass eine Romantisierung einer Kommunikationsform, z.B. der Postkarte, meist verschleiert, welchen Status sie auch in der ‚guten, alten Zeit‘ hatte. Briefkommunikation hat sich zwar vor diesem Hintergrund ebenfalls verändert, aber keineswegs zum ‚Schlechteren‘, wie gern behauptet wird: Private und besonders handschriftliche Briefe haben einen hohen Prestigewert. Geschäftsbriefe sind für öffentliche Kommunikation unerlässlich, auch wenn der „Briefversand rückläufig ist“. (56) Das liegt im Wesentlichen an den Kosten und daran, dass im Gegensatz zu rein digitaler Erstellung und Übermittlung ein „Medienwechsel erforderlich“ ist: „Geschrieben wird der Brief heute meist am Computer, dann wird er ausgedruckt und tritt die Reise zum Empfänger an.“ (56)  Zu erwarten ist, so könnte man recht unspektakulär ergänzen, eine ähnliche Entwicklung wie bei „Telegramm“ und „FAX“ und auch mittlerweile dem „Internet Relay Chat (IRC)“: Der „Brief“ wird sich von einem technischen Übertragungsmedium lösen und sich als Textsorte weiterentwickeln. So wie er es seit Jahrtausenden tut und längst tat, als sich z.B. in der frühen Neuzeit das moderne Postwesen anschickte, den Brieftransport zu revolutionieren. Selbst die doch recht unverdächtig scheinende Post- oder Briefmarke bzw. der (unpersönliche) Versand frankierter Briefe, das sei als Beispiel ergänzend noch angeführt, markiert in diesem Zusammenhang in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kommunikationsereignisse:

„Daß ich ja nichts ahnden möchte; daß ich ja in der Erwartung ſchwelgte, das Innere des Briefes werde ſo rückſichtsvoll und artig ſeyn als ſein Aeußeres, und die Ueberraſchung, der Schrecken mich ſo fürchterlicher darnieder werfe — ſchrieb er auf die Adreſſe: à Monsieur L. Boerne, savant Allemand und frankirte den Brief. Wie man Einem Grobheiten frankirt ſchicken mag, begreife ich nicht; nie hätte ich das Herz dazu.“ (Eugen Hartmann. 1868. Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig. 348).

Im zweiten Kapitel „Merkmale des digitalen Schreibens“ wenden sich Dürscheid & Frick Kommunikationsmöglichkeiten zu, die sie in Zusammenhang mit dem Web 2.0 bringen: „Diese neuen Möglichkeiten haben einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir im Internet schreiben und welche sprachlichen Mittel wir in diesem Zusammenhang verwenden.“ (59) Nicht anhand von Kommunikations(technik)geschichte (Kap. 1), sondern anhand von Kommunikationsformen, die Merkmale mündlicher und schriftlicher Sprache tragen, erarbeiten sie die „Merkmale des digitalen Schreibens“. Folglich wählen sie dafür eine neue Kategorisierung, die nicht mehr Übertragungsmöglichkeiten und Textsorten folgt, sondern den Schwerpunkt legt auf „primär schriftbasierte“, „primär bildbasierte“ und „primär mündliche Kommunikationsformen“. Unter „primär schriftbasierten Kommunikationsformen“ diskutieren die Autorinnen zunächst noch einmal das schon eingeführte Konzept medialer und konzeptioneller Mündlichkeit wie Schriftlichkeit. Neben diesen zentralen Beschreibungskategorien führen die Autorinnen die Konzepte von „Privatheit“, welches sie für die Themenwahl reservieren, und „Öffentlichkeit“, welches auf die Zugänglichkeit von Kommunikationsräumen bezogen wird, ein. So können sie den zwanglosen WhatsApp-Chat als medial schriftlich mit Merkmalen konzeptioneller Mündlichkeit, thematisch meist privat und als öffentlich nicht zugänglich charakterisieren. Er unterliegt damit anderen Bedingungen als bspw. geschäftliche E-Mail-Kommunikation und hat folglich hinsichtlich der Form und Gestalt sprachlicher Ausdrücke einen anderen, nämlich informelleren Charakter (vgl. 61f.). „Primär bildbasierte Kommunikationsformen“ streifen Dürscheid & Frick hingegen nur knapp – als Beispiele führen sie u.a. „Memes“ an (69), die aber, so möchte man einwenden, gerade nicht primär bildbasiert sind, sondern eine sehr konkrete sprachliche Äußerung durch die Auswahl eines Settings, einer Szene, einer (aus welchen Gründen auch immer) prominenten Figur idealerweise passgenau framen. screenshot380Besprochen wird das bekannte „One does not simply [X]“-Meme mit Zitat und ikonischer Abbildung der Figur Boromir aus der Verfilmung des Herrn der Ringe (https://goo.gl/QJd9vF). Ebenso – besonders im Hinblick auf die stilistischen Merkmale und die Abkürzung wtf (für what the fuck) in Kap. 2 – hätte hier eines der Memes stehen können, welches die Abkürzung ftw (for the win) in diesem Kontext thematisiert (https://goo.gl/X1gQXC). Eine „piktorale Wende“ läuten bildbasierte Kommunikationsformen allerdings, so die Verfasserinnen abschließend, nicht ein (70). Unter „primär gesprochensprachlichen Kommunikationsformen“ werden im Folgenden (tatsächlich gesprochene) Sprachnachrichten und Videochats (z.B. Skype) subsumiert.

Nach dieser kurzen Typologisierung werden zentrale stilistische und graphische Merkmale der neuen technisch vermittelten Kommunikationsformen (im Internet) besprochen, wobei Dürscheid & Frick das „Wichtigste gleich vorweg[schicken]: Es existiert keine einheitliche ‚Sprache des Internets‘; die Rede vom ‚Cyberslang‘, von der ‚Netzsprache‘ oder ‚Online-Sprache‘ ist irreführend.“ (72) Es ist, so könnte man nach Jahren der verwirrenden Diskussionen um „virtuelle Realitäten“ sagen, eben keine ‚andere‘ oder ‚virtuelle‘ Realität, sondern die Kommunikation im Netz ist Teil unserer Realität, zu der auch unser Sprachgebrauch gehört. Folgende Phänomene beschreiben sie im Detail:

Stilistische Merkmale

  • Dürscheid & Frick betonen, dass nur ein sehr eingeschränkter Kreis hochfrequenter Kurzschreibungen (74) wie  hdl (hab dich lieb), lg (liebe Grüße), lol (laugh[ing] out loud), wtf (what the fuck) Verwendung findet und Kurzformen als Stilmittel (76) aufzufassen sind. Sie treten weniger häufig als erwartet auf, sind meist nicht sonderlich originell und sie „werden verwendet, weil andere sie auch verwenden und weil man weiß, dass sie als typische Stilmittel gelten.“
  • Der Anteil an Anglizismen (77) ist kaum nennenswert.
  • Sprachen- und Varietätenwechsel (z.B. zwischen Standardsprache und Regiolekt) lassen sich oft beobachten (78).
  • In Chat-Kommunikation lässt sich eine Orientierung an gesprochener Sprache (mediale Schriftlichkeit / konzeptionelle Mündlichkeit) als Hinweis auf informelle Gesprächsanlässe ausmachen (79).
  • Auf syntaktischer Ebene sind Ellipsen nicht untypisch (80f.) wie die Auslassung der Subjektpronomina ich und du, Artikel- sowie Verbellipsen und die Auslassung von Präpositionen (84). Sie führen kommunikativ aber nicht zu Verständnisschwierigkeiten (87).
  • Inflektive (*grins) und Inflektivkonstruktionen (*zumkühlschrankgeh) nehmen in der Frequenz ab (87).
  • Emojis (88) erfreuen sich großer Beliebtheit, lösen aber nicht verbale Kommunikationsformen ab.

screenshot379Graphische Merkmale

  • konsequente kleinschreibung nimmt breiteren raum in informellen kommunikationssituationen ein; Großschreibung bleibt in formellen Kontexten weiter einzige Alternative (92f.).
  • MAJUSKELSCHREIBUNG ZUR HERVORHEBUNG (94) bleibt als graphisches Merkmal erhalten. Auf ähnlicher Ebene liegen die Imitation lautlicher Merkmale (*kreeeiiiiiiisch) oder die Inflation des Ausrufezeichens (potzblitz!!!; leider fehlt der ironische Bruch: das war der beste tatort!111!11).
  • Das Schreiben in „Häppchen“ dient der Gesprächssimulation.
  • Emojis übernehmen unterschiedliche Funktionen.

Die Darstellung dieser Phänomene ist Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Frage, „[w]elche Sorgen im öffentlichen Diskurs geäußert werden und wie wir uns als Sprachwissenschaftlerinnen dazu stellen“ (106) im dritten Teil des Essays „Die Folgen der Internetkommunikation“. Der Titel wirkt respekteinflößend und kommt den scharfen Kritikern entgegen, die Dürscheid & Frick neben positiven Stimmen auch in der öffentlichen Auseinandersetzung zum Sprachwandel ausmachen. Sie gehen folgenden Fragen im Detail nach: „a) Wie wird das digitale Schreiben in der Öffentlichkeit bewertet, welche Befürchtungen gibt es diesbezüglich? b) Welche Rückschlüsse werden in Bezug auf den Zustand der deutschen Sprache gezogen? c) Was entgegnet Wissenschaft sprachbesorgten Bürgern und Journalisten?“ (109) Etwas von seiner Reputation mag Manfred Spitzer mit seinen massenmedialen Auftritten verspielt haben (man denke an seine denkwürdigen Diskussionsbeiträge bei Anne Will [https://goo.gl/QUI2fC]). Sein Zitat zur Einleitung des dritten Kapitels „Kein Tag vergeht, an dem man nicht junge Menschen sieht, die auf ihr Handy starren“ (107) ist aber nicht im Kontext der jüngsten resoluten und in der Schärfe nicht nachvollziehbaren Zurückweisung der digitalen Medien durch ihn zu verstehen. Vielmehr hat er ein klares und sehr nachvollziehbares Anliegen: Er setzt sich mit den Gefahrenpotentialen auseinander, die im konkreten Fall mit  Suchtpotentialen, Suchtbehandlung und Suchtprävention benannt sind. Dürscheid & Frick nehmen diese Fragen sehr ernst und wägen sie im dritten Kapitel sorgfältig ab. Sie sehen einen Weg der Verständigung zwischen verschiedenen Positionen darin, auch darauf hinzuweisen, warum bestimmte Kommunikationsmöglichkeiten des Internets – man denke etwa an das Fazit der Autorinnen zur Kontaktanbahnung mit Fremden im öffentlichen Raum – eben nicht in Face-to-Face-Kommunikationen realisiert werden, eine spezifische Form haben und besondere stilistische Merkmale aufweisen. Kommunikation im Netz, oder das „digitale Schreiben“, ist im Hinblick auf tabuisierte Themen auch ein Hinweis auf Kommunikationshindernisse und -barrikaden im Alltag, die eben gerade nicht in Face-to-Face-Kommunikation realisiert werden. Beharrungskräfte und soziale Konventionen bieten nämlich nicht nur eine stabile Orientierungshilfe, sondern sie sind häufig genug auch (Kommunikations-)Hürden. Neue Kommunikationsformen befriedigen hier offenbar elementare Bedürfnisse für informelle Kommunikation, ohne dass man an den etablierten Verständigungs- und Verhaltensformen rütteln muss oder wegen stilistischer Besonderheiten den Verfall der Sprache vor dem Hintergrund einer (schriftsprachlichen) Bezugsnorm zu befürchten hat. Kritiker täten gut daran, sich auch an solchen Hinweisen abzuarbeiten. Die Autorinnen geben dafür jedenfalls gute Gründe und haben anregendes Material zusammengestellt.

Das  vierte Kapitel „Neue Praktiken, neue Möglichkeiten“ ruft kurz mit „öffentlichem Trauern“ und der „Partnervermittlung“ mit dem Fokus auf der schnellen und informellen Anbahnung von Kommunikation zwei tabuisierte Kommunikationsbereiche auf, die von neuen digital vermittelten Kommunikationsformen erheblich profitieren. In Bezug auf die Formen der „öffentlichen Trauer“ hätte man sich einige Worte zur gesellschaftlich relevanten Debatte zum Thema „Diskretion“ gewünscht. „Onlineshopping“ als ein weiteres Thema in diesem Kapitel scheint systematisch hingegen nicht ganz zu passen.

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Abschließend lässt sich sagen, dass die Autorinnen mit alltäglichen Konzeptualisierungen aufräumen, die vor allem den sprachkritischen Diskurs durchziehen: „Es wäre also falsch zu behaupten (wie es gelegentlich geschieht), dass sich die Grenzen zwischen gesprochener und geschriebener Sprache im Internet auflösen würden. Fakt ist vielmehr: Es handelt sich nach wie vor um zwei getrennte Modalitäten: Man spricht oder man schreibt. Dabei gibt es natürlich fließende Übergänge zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, und zwar auf der stilistischen Ebene […].“ (61)  In Bezug auf den Sprachverfall z.B. durch Abkürzungen (in umfangsbegrenzten Formaten wie SMS und Twitter) liest man: „Zu Beginn des neuen Jahrtausends, als die Anzahl versendeter SMS immer weiter zunahm, kam es zu einem regelrechten ‚Abkürzungshype‘ – dieser betraf allerdings vor allem die mediale Berichterstattung über das Schreiben von SMS und weniger den tatsächlichen Sprachgebrauch selbst.“ (74) Am Schluss des dritten Kapitels werben Dürscheid & Frick schließlich für eine weniger aufgeregte Debatte:

„Wir sehen die Situation nicht so düster, wie Manfred Spitzer sie beschreibt. Zwar ist tatsächlich so, dass wir unseren Alltag immer mehr über das Internet gestalten – und uns damit auch im Internet abhängig machen. Man stelle sich nur vor, was passieren würde, wenn es zu einem totalen Netzausfall käme. Bedeutet diese Abhängigkeit vom Internet aber auch, dass wir keine persönlichen Gespräche mehr führen werden? Natürlich nicht; die Face-to-Face-Kommunikation mag dadurch zwar weniger werden, im Ganzen hat sich unsere Kommunikationsradius aber durch das digitale Schreiben erweitert. Ob sich das langfristig als Vor- oder als Nachteil erweisen wird, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“ (136)

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Wem kann Schreiben digital empfohlen werden? Das sind zum einen alle, die sich allgemein für die neuen Kommunikationsformen im Internet und speziell dafür interessieren, welche Position Sprachwissenschaft dazu einnimmt. Zum anderen ist das Buch für jene gedacht, die Argumente für eine differenzierte Bewertung neuer Kommunikationsformen suchen. Besonders sei hervorgehoben, dass sich der Band hervorragend dafür eignet, das Thema der neuen Kommunikationsformen und -kulturen für den Schulunterricht vorzubereiten. Hier kann er Lehrer_innen und Schüler_innen nicht nur aktuelle Literatur und Beispielmaterial bieten, sondern vor allem eine erste orientierende Einführung, die mit Sicherheit viele Einsichten auch in den kritischen Umgang mit den neuen technischen Möglichkeiten bereithält. Es bleibt abschließend lediglich zu wünschen, dass die Reihe der Einsichten bald auch als E-Book verfügbar gemacht wird. Besonders bei Schreiben digital, welches in Broschur vorliegt, fällt das Fehlen eines digitalen Formats schmerzlich auf.*

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Druckfassung der Besprechung

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*  Update 14.11.2016: Laut Verlagsauskunft soll Schreiben digital als E-Book zeitnah über den Dienst libreka! vertrieben werden.

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