Transzendenz (2017)

28. August 2017

Artikel, Forschung, Publikationen

Alexander Lasch. 2017. Transzendenz. In: Ders. & Wolf-Andreas Liebert (Hgg.). Handbuch Sprache und Religion (HSW18). Berlin, Boston: de Gruyter. 241-265.

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Anliegen des Beitrags ist es, das Stufenmodell Duprés für eine Religionslinguistik (als Transzendenzlinguistik) fruchtbar zu machen und einen operationalisierbaren Transzendenzbegriff aus der bisherigen Forschung herauszuarbeiten, der es gestattet, u. a. Prozesse der Transzendierung zu beschreiben. Mit Transzendenz sei außerweltliche Innerweltlichkeit markiert, die der Wahrnehmung vorgängig Sinnhorizonte in der Welt eröffnet (Rentsch), wahrgenommen, in einem Deutungshorizont intersubjektiv behauptet (Rentsch; Vorländer), verortet und benannt werden kann (Dupré; Jaspers). Aus diesem komplexen Verhalten zu Transzendenz können Ideologien (wie z. B. Religionen) erwachsen und dauerhaft einen adäquaten Rahmen bieten, um das Verhältnis zu außerweltlicher Innerweltlichkeit zu behaupten, zu legitimieren und zu stabilisieren (Dupré; Luckmann; Rentsch). Da das Außerweltliche systematisch nicht verfügbar ist (Rentsch) und Ideologien immer versucht sind, ‚Chiffren in der Schwebe‘ (Jaspers) in Ruhestellung zu bringen, zu organisieren, behutsam zu erweitern, zu verwalten und zu prozessieren, muss von Verwaltern und Anhängern der Ideologie immer wieder neu erkämpft werden, wie (Jaspers) und wer (Rentsch) das Verhältnis zu Transzendenz auf welche Art und Weise adäquat bestimmt. Steht die Deutungshoheit in Frage, werden kulturell stabilisierte Deutungsmuster der Transzendenz bisweilen bezweifelt, umgedeutet (Hänseroth), abgelehnt und offen angegriffen. Da der Mensch ein transzendentes Wesen ist (Jaspers; Dupré und Rentsch), werden durch Transzendieren immer wieder Prozesse der Transzendierung angestoßen und können an ‚Reflexen auf Transzendenz‘ (Jaspers) wie bspw. dem Kampf um Transzendenzbehauptungen beschrieben werden. Gegenstand der Religionslinguistik kann nicht die Transzendenz als außerweltliche Innerweltlichkeit als Phänomen, sondern müssen solche Verhältnisse zu Transzendenz sein. Diese sind kulturell, sozial und historisch je unterschiedlichen Bedingungen unterworfen und dementsprechend, auch in der kommunikativen Bewältigung, unterschiedlich ausgeformt: Sprache kommt hier als Instrument zur Bewahrung, zum Transfer sowie zur Konstitution von Wissen und Wirklichkeit zu ihrem Recht.

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