Zwischen Partizipation und Prokrastination (Jahrestagung des IDS 2019, 12. März 2019 Mannheim)

Alexander Lasch

Zwischen Partizipation und Prokrastination. Wissenschaftsvermittlung auf Blogs

(1) Wissenschaftsblogs, also Blogs, die sich – mit je unterschiedlichen Adressat·innen – der Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen widmen, sollten sich, möchte man meinen, als niederschwellige Publikationsform großer Beliebtheit erfreuen: Hier können Ideen zur Diskussion gestellt, gemeinsam weiterentwickelt, in einem bestimmten Arbeitsstand dokumentiert werden. Mit anderen Worten: Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Das ist zugleich scheinbar auch der größte Nachteil: Das Publikum ist nicht spezifiziert, der Status vermittelter Ideen grundsätzlich nicht abgesichert und Arbeitszwischenständen haftet das Unfertige als Makel an. Vielleicht sind das einige Gründe dafür, weshalb Blogs als Kommunikationsmedium wissenschaftlicher Ergebnisse im Bereich der Germanistik und speziell der Germanistischen Sprachwissenschaft eher skeptisch begegnet wird; andere Fächer (bspw. die Geschichtswissenschaften oder die Archäologie) sind in der Anerkennung sehr viel weiter.

(2) Der Vortrag wird das Dilemma zwischen dem Wunsch nach Partizipation am wissenschaftlichen Diskurs und der Angst vor Prokrastination als Zuweisung in den Blick nehmen. Ich möchte zeigen, dass die letzte Setzung – das heißt: die Etikettierung von Kommunikation auf Blogs und Microblogs als ‚Verschwendung‘ von Zeit und Ressourcen und ‚Vertagen‘ qualifikationsrelevanter Publikationen – besonders Nachwuchswissen­schaftler·innen davon abhält, sich intensiver auf den wissenschaftlichen Diskurs im Netz einzulassen. Das sollte aber unser erklärtes Ziel sein.

(3) An einem Beispiel, nämlich dem Dilemma der Korpuslinguistik, nicht semantisch annotieren zu können, möchte ich zeigen, wie sich die Germanistische Sprachwissenschaft schon heute durch das Festhalten am Konzept individueller Autorschaft als Voraussetzung der Hervorbringung wissenschaftlicher Ergebnisse massiv blockiert. Diese und andere zentrale Aufgaben werden sich aber in den nächsten Jahren nicht ohne Kollaboration bewältigen lassen – jetzt wäre der Zeitpunkt zu zeigen, wie man sich gemeinsam diesen zentralen Aufgaben stellt.

Präsentation zum Vortrag (*.pdf)

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