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X [ist] geschrumpft

15. Februar 2012

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„Schrumpfen“ ist landläufig kein äußerst positiv besetztes Verb. Es bedeutet, dass sich eine Entität verkleinert und zusammenzieht, runz(e)lig und umgangssprachlich „schrump(e)lig“ wird.[1] Es wird in dieser Form im Hochdeutschen seit dem 17. Jahrhundert verwendet, geht als Schwundstufe auf das mittelhochdeutsche „schrimpfen“ zurück, ist auch verwandt mit dem mittelniederdeutschen „scrimpen“ (deutlich ist die zweite Lautverschiebung erkennbar, […]

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Skandalisierung von oben

16. Januar 2012

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Den (verlinkten) Artikel Ein präsidiales Selbstmissverständnis. Er weiß nicht, was seine Rolle bedeutet von Harald Welzer im Feuilleton der FAZ darf man nicht unkommentiert vorbeistreichen lassen.* Denn er  mag gern (wenigstens) drei Dinge in der Causa Wulff verbergen, die mit einander in Verbindung stehen. Sie sind Teil eines komplexen Rollenverständnisses der Akteure der Massenkommunikation, die […]

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Sind sie heute unglücklich?

21. Dezember 2011

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Auf Entscheidungsfragen wie „Sind sie heute unglücklich?“ kann möglicherweise jeder Befragte sofort eine Antwort geben, da sie ihn selbst und seine Befindlichkeit unmittelbar betreffen. Sind sie Teil einer „repräsentative Umfrage“, dann stünden üblicherweise folgende Antwortmöglichkeiten zur Wahl: (1) ja, (2) nein, (3) kann mich nicht entscheiden. Ob dieselbe Person auf die Frage „Wie fühlen Sie sich […]

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Die Nacht ist vorgedrungen

18. Dezember 2011

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Dem Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ sieht und hört man sein Alter nicht an — auf einem kleinen Konzert des Kammerchor Chemnitz wurde es heute von Wolfgang Richter angekündigt mit den Worten, dass wir mit ihm „wohl einen der schönsten Choräle“ mit dem Text von Jochen Klepper (1903-1942), der Melodie von Johannes Petzold (1912-1985) und […]

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Dialogsteuerung 2.0

12. Dezember 2011

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Mit „pluseinsen“ bei Google Plus und anderen Bewertungsroutinen (wie „gefällt mir“ bei Facebook etc.) kann man nicht nur seine Einstellung zu Posts in den Weiten digitaler Gespräche kundtun. Die Zeiten, in denen in Social Networks asynchron kommuniziert wurde, sind vorbei, da dank moderner Technik und Omnipräsenz auf allen internetfähigen Geräten Nachrichten auf Google Plus und […]

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ego laboro, ergo sum?

7. Dezember 2011

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Wohl kaum, würde Gero Hesse darauf antworten.[1] Denn er sieht einen „gravierende[n] Wertewandel“[2] im Gange, wenn etwa bei der Deutschen Bahn darüber nachgedacht wird, Führungskräften eine bezahlte Auszeit von einem halben Jahr zu gewähren. Auch wenn es sein mag, dass Hesse damit etwas überzieht,[3] so können die von ihm vor diesem Hintergrund formulierten Thesen zum […]

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Brotip #305

29. November 2011

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Die Argumentationslogik lehrt uns unter anderem, dass Argumentationen meist keiner expliziten Schlussregel bedürfen und dass Stützen für die Schlussregel bedacht eingesetzt sein wollen, um die Authentizität und damit Glaubwürdigkeit der Argumentation nicht zu gefährden. KT aka Karl Theodor zu Guttenberg strich Bedenken dieser Art bei seiner medialen Rückkehr vor wenigen Tagen, hier zusammengefasst in einem […]

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Parzival 2.0

25. November 2011

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Man muss noch nicht einmal aufmerksam die tagesaktuelle Diskussion verfolgen, um Zeuge zu werden, wie sich vor den eigenen Augen die Struktur des „Doppelten Kursus“ des Artusromans (ein Begriff, den der Altgermanist Hugo Kuhn mit der Beschreibung des „epischen Doppelpunktes“ im Erec prägte) diskursiv vollzieht: Mittelalterliche Versepen erzählen davon, wie ein junger, dynamischer und aufstrebender […]

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Bald wird aufgemännelt!

21. November 2011

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Heute Morgen wurde ich beim ersten Kaffee mit einem — wie ich zunächst annahm — Dialektismus überrascht. Wie nebenbei hieß es, dass ja nun nach Totensonntag bald „aufgemännelt“ werden könne. Auf der Fahrt ins Büro dachte ich immer noch darüber nach, wie gut das Verb „aufmänneln“ doch genau das beschreibt, worauf sich (beinahe) jeder im […]

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Neues aus der Gutenberg-Galaxie

10. November 2011

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Eine wahre Geschichte aus dem 21. Jahrhundert Der Apologet eines neuen Mediums druckte in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein Buch, das seinen Vorläufern, den Prachthandschriften, in nichts nachstehen wollte. Natürlich fehlte der 42zeiligen Bibel mit Goldschnitt der individuelle (Hand-)Zug des Schreibers, sie trug nun den des Setzers. Dafür deutete sie auf die Optionen, die sich […]

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Pfleger und Arbeiter im Weinberg der Sprache

9. November 2011

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Tagesaktuelle Debatten eignen sich denkbar schlecht für diskurslinguistische Analysen. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass sich nur abgeschlossene Argumentationslinien in Aussagen und Aussagekomplexen eines Diskurses untersuchen lassen. Zugegebenermaßen ist das forschungspraktisch eine Notwendigkeit, um als Sprachwissenschaftler keine Prognosen über zukünftige Entwicklungen in einem Diskurs abgeben zu müssen — abgesehen davon, dass dies wissenschaftlich […]

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Transparenz

11. Oktober 2011

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Wir haben ein neues Thema. Das passiert ja dieser Tage, die vom zähen Ringen um die europäische Währung bestimmt sind, nicht oft. Zur Freude aller Berichterstatter ist das Ereignis noch dazu nicht lokal- sondern 1) bundespolitisch relevant, 2) es betrifft wie die Zukunft des Euro fast alle von uns und es beflügelt — wie jedes […]

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Eine andere Art der Anteilnahme

6. Oktober 2011

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In der Vorlesung  „Sprachmedien und Mediensprache im Gegenwartsdeutschen“ (WS 2011/2012) wird auch die (sprachliche) Inszenierung in Massenmedien thematisiert. Ausgewählt hatte ich dafür ein legendäres Gespräch zwischen Steve Jobs und Bill Gates bei All Things Digital* (2007). Der Fokus sollte genau bei diesem Beispiel nicht auf dem Gegenwartsdeutschen, sondern vielmehr auf der sprachlichen Inszenierung von populären Akteuren in […]

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„Anachronistisches Territorium“*

30. September 2011

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Gestern habe ich hier kurz über die aus meiner Sicht gelungene Rhetorik Gregor Gysis geschrieben; nichtsahnend, dass sich am darauf folgenden Tag am Beispiel des „anachronistischen Territoriums“ Gelegenheit bieten würde, noch einmal das Thema der Rhetorik bzw. Stilistik aufzugreifen. Es gibt keine Operation, die es erlaubt, einen in der Gegenwart real existierenden Raum (als geographisches […]

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„Unser ‚Nein‘ ist sicher“

29. September 2011

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Man muss die Meinung der LINKEN zur Erweiterung des Rettungsschirms nicht teilen. Auch ist der streitbare Gregor Gysi als Politiker anfechtbar, spätestens seit er in Berlin als Wirtschaftssenator hinschmiss. Aber ich höre ihm furchtbar gern zu (Redebeitrag Gysis; 130. Sitzung vom 29.09.2011; ESM). Er ist ein „Agitator“ alter Schule (im Sinne der LINKEN positiv besetzt); jemand, der Politik […]

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Ich habe XY geschrankt

27. September 2011

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„Ansonsten wird sie im Abo gekauft, 5 Minuten durchgeblättert […] um dann geschrankt zu werden.“ (der_arit, 22.09.11, 16:26, maniac-forum,http://goo.gl/ZRopC) Neologismen zeigen die Wandlungsfähigkeit sowie Produktivität einer Sprache und die Kreativität ihrer Sprecher an. Ein Beispiel dafür ist das Verb schranken, welches ökonomisch und gewitzt Gefüge wie in das Regal stellen/legen, im Schrank verstauen, im Keller lagern usw. verkürzt. Interessanterweise wird […]

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Das Deutsche und sein Untergang

27. September 2011

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Kommentare zur Vortragsreihe im „Hörsaal“ beim DRadio Wissen. Sprachkultur — Ist der Drops gelutscht? Über abgefahrene Züge – das Deutsche und andere Sprachen der Wissenschaft    

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Das App

27. September 2011

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Die „Applikation“ (engl. „application“) ist keinesfalls ein grammatisches Neutrum (wie „das Blog“), sie ist weiblich. Allerdings ist im Ggs. zum maskulinen Gebrauch des „Blogs“ der Kreis derer, die „das App“ sagen und meinen, vermutlich wesentlich kleiner: Es sind deutsche Muttersprachler. Es sind Smartphone-Nutzer. Sie erkennen „App“ nicht als Abkürzung für „Applikation“/“application“, sondern vermuten wohl einen […]

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Macht’s uns doch bitte nicht so schwer

27. September 2011

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Daran werden wir uns gewöhnen (müssen). Normative und auch deskriptive Grammatiken (und normative Populisten) steuern dem falschen Gebrauch des Apostrophs zwar noch vehement entgegen, aber der Widerstand wird (gefühlt) geringer. Das adaptierte Muster (siehe Anzeige) sieht man gleich zweimal im Angebot: Genitiv-s mit Apostroph im Englischen. Im Plural jedoch wird im Englischen Apostroph nur verwendet, […]

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„Leonard abgeholt!“

27. September 2011

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Damit ich ein besonderes Beispiel für die Beschreibung eines Phänomens (nämlich die besondere Perspektivierungsleistung von Konstruktionen) nicht vergesse und mich statt dessen noch einmal an die anregenden Diskussionen in Düsseldorf erinnere, werde ich diesen, wohl mehrfach adressierten, täglichen Ausruf einer schreienden Meute kurz hier diskutieren. In der vorliegenden sprachlichen Äußerung Leonard abgeholt ist alles andere […]

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Warum Konstruktionsgrammatik?

27. September 2011

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Ein Freund ist heute Abend dem Link zum Tagungsbericht unserer Tagung in Düsseldorf gefolgt und hat gefragt, ob ich so etwas den ganzen Tag mache. Hinter dieser Frage steckte zumindest Verwunderung. Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, um kurz — und hoffentlich verständlich — darüber zu sprechen, warum die Konstruktionsgrammatik gerade auch für linguistische Laien […]

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„Die nehmen uns im Ramadan die Parkplätze weg“

27. September 2011

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Die Debatte um Neubauten von Moscheen in deutschen Städten ist durch viele Aspekte geprägt — städtebauliche Bedenken, kulturelle Stereotype und religiöse Vorurteile werden in Anschlag gebracht, um argumentativ die eigene Position für/wider einen Neubau zu stützen. Dass dabei die Realität immer für eine Überraschung gut ist und weit über die Schreibtisch-Vorstellung hinausreicht, lehrt dieses — […]

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Komplexität

27. September 2011

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Im Moment arbeite ich an einem Unterkapitel zum Zusammenhang zwischen Komplexität schematischer Darstellung (von Konstruktionen) und der Komplexität des dargestellten Gegenstands für das germanistische Arbeitsheft zur Konstruktionsgrammatik. Mit Gewinn und (vor allem auch) zur Unterhaltung höre ich deshalb gerade den Vortrag vom schwierigen Umgang mit Komplexität von Dietrich Dörner aus dem April 2011, den ich […]

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