Islamismus / Islamisten. Eine kurze Begriffsgeschichte

15. Januar 2013

Sprachpunkt

Politische Lage in Mali (ARD Morgenmagazin; Nachbildung)

Politische Lage in Mali (ARD Morgenmagazin; Nachbildung)

Gestern war im Morgenmagazin der ARD eine Karte zu sehen, die die derzeitige Lage im westafrikanischen Mali veranschaulichen sollte. Da ich mich u.a. auch mit der Wahrnehmung des Islams beschäftige, fiel mir der recht plakativ gesetzte Ausdruck Islamisten in der Karte auf. Angesichts dieser Darstellung und der gegenwärtigen Lage in Ägypten, wo sich „Starke Islamisten“ gegen eine „schwache Opposition“ durchsetzen, fragte ich mich, ob man die Begriffe nicht etwas feiner differenzieren müsste, da im jeweiligen Fall wohl kaum das selbe gemeint sein kann.

I

Das Wortbildungsmittel jedenfalls ist weder neu, noch selten — es ist vollkommen üblich. Mit dem Ableitungssuffix -ist wie in Reservist, Pietist, Kapitalist, Sozialist oder Islamist bildet man Wörter, die einen Angehörigen einer bestimmten (durch den Stamm näher bestimmten) Gruppe und/oder jemanden, der eine bestimmte Weltanschauung vertritt, bezeichnen. Dass das Ableitungssuffix -ist selbst nicht-indigen ist (d.h. aus einer anderen Sprache übernommen wurde), soll hier nicht weiter interessieren. Zur Gruppe der verwandten Ableitungssuffixe gehören auch –ismus und -istisch, die in Beispielen ebenfalls mit einbezogen werden. Einleitend sei ein Blick auf die Beispiele  Reservist, Pietist, Kapitalist, Sozialist und Islamist anhand der etymologischen Einträge beim Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts (DWDS) geworfen:

Reservist

Reservist m. ‘der Reserve angehörender Wehrpflichtiger’ (2. Hälfte 19. Jh.), frz. réserviste„, jünger als „reservieren Vb. ‘aufbewahren, zurücklegen, aufheben, (sich) zurückhalten, (sich etw.) ausbedingen, (ein Recht) vorbehalten’ (1. Hälfte 16. Jh.), entlehnt, wohl unter Einfluß von gleichbed. frz. réserver„.

Pietist

Pietist m. ‘Anhänger des Pietismus’, zuerst Spottname für die Anhänger Speners, ‘Frömmler, Mucker’ (2. Hälfte 17. Jh.)“ von „Pietät f. ‘Ehrfurcht, dankbares Gedenken, Frömmigkeit, ehrerbietige Rücksichtnahme’“.

Kapitalist

Kapitalist m. ‘Unternehmer, Besitzer von Produktionsanlagen’ (18. Jh.), ‘Geldbesitzer’ (17. Jh.)“. Geht zurück auf  „Kapital n. ‘Vermögen, (zinstragende) Geldsumme’, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus ital. capitale ‘Wert, Grundsumme, Vermögen in Geld, Reichtum’“.

Sozialist

Sozialist m. ‘Anhänger und Vertreter des Sozialismus und sozialistischen Gedankenguts’, Übernahme (1840) von engl. socialist (1822), ‘Anhänger Owens’ (1827), dann ‘Vertreter ähnlicher Ideen außerhalb Englands’ (z. B. in Frankreich), vgl. frz. socialiste (1830).“

Islamist

„Kein Eintrag vorhanden.“

Wie oben kurz zusammengefasst, werden mit den Bezeichnungen Angehörige von Gruppen bestimmt — die Gründe für die Zuweisung zu einer Gruppe sind dabei äußerst heterogen. Interessant bei allen Beispielen (wohl bis auf Reservist) ist, dass sie sich als Stigmawörter etablieren.[1] D.h. es sind Wörter, mit denen derjenige, der zu einer Gruppierung gezählt wird, stigmatisiert wird, weil die (weltanschauliche) Grundlage der Gruppierung durch eine andere Gruppierung negativ bewertet wird. Sicher lässt sich das belegen für Kapitalist (und Imperialist) und Sozialistbesonders deutlich wird das in der Beispielreihe zunächst bei Pietist.

II

Zu Islamist weist das Wörterbuch jedoch keinen etymologischen Eintrag aus, auch im DWDS-Wörterbuch fehlt eine genauere Bestimmung.  Wenn wir hier also keine Hilfe erwarten können, dann wenden wir uns doch zunächst an den Google N-Gram-Viewer. Dieser bietet zwar keine statistisch verwertbaren Ergebnisse, aber er zeigt zumindest Trends an für bestimmte Wortvorkommen (in unterschiedlichen Nationalsprachen). Auf die Verbesserungen des Viewers wies kürzlich Kristin Kopf auf dem Sprachlog hin. Eine nahe liegende Suchanfrage ist die nach Islamism (eng_gb_2012 und eng_us_2012), Islamisme (fre_2012) und Islamismus (ger_2012); ein Begriff, der in allen drei Sprachen heute als Stigmawort für eine ideologische Haltung verwendet wird und deren (militante) Anhänger als Verfechter eines fundamentalistischen Islam bewertet werden.

Islamism (GB / USA), Islamisme und Islamismus (1800-2008)

Islamism (GB / US), Islamisme und Islamismus (1800-2008)

Die Begriffe haben, wie man sieht, schon einige Jahre Konjunktur, auch wenn man die Ausschläge vor 1820 für die Teilkorpora mit Vorsicht genießen sollte. Nicht zu weit lehnt man sich angesichts der Datenlage aus dem Fenster, wenn man vermutet, dass im öffentlichen Diskurs der bedeutenden Imperialmächte im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert die Begriffe Islamism und Islamisme (hier auch neben Mahométisme) wohl wertneutraler gebraucht worden sind und vor allem durch den kulturellen Kontakt im vorderen und fernen Osten eine große Bedeutung gehabt haben könnten — mit erheblichen Bedeutungsverschiebungen im Vergleich zum gegenwärtigen Gebrauch ist also zu rechnen. Greift man auf die englischsprachigen Quellen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu, kann man diese Vermutung vorsichtig bestätigen. Ein ähnliches Bild zeigt auch der erste im DWDS greifbare deutsche Beleg:

„Die Proklamation des Scheichs-ül-Islam ist ein längeres Schriftstück, in dem es heißt: ‚Rußland, das sich bemüht, die Unabhängigkeit zu vernichten, die ein Geschenk der Vorsehung für die Nationen und Völker ist, und das, indem es die ganze Menschheit zu unterjochen sucht, seit Jahrhunderten der grausame Feind der menschlichen Wohlfahrt ist, war bis jetzt die Ursache des Unglücks im nahen und fernen Osten. Es vereinigte sich im gegenwärtigen europäischen Krieg mit England und Frankreich, die Millionen von Muselmanen unter ihrem Joch halten und die, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, es darauf abgesehen haben, soviel wie möglich das Kalifat, den Stützpunkt des Islam und das einzige Zentrum der Beständigkeit des Islamismus, zu erschüttern und zu schwächen. Diese Gruppe von Usurpatoren, die sich Tripel-Entente nennt, hat während des letzten Jahrhunderts alle islamitischen [sic!] Völker Indiens, Zentralasiens und des größten Teiles von Afrika ihrer Unabhängigkeit und Freiheit beraubt.[…]'“ o.A., Der große Krieg – Eine Chronik von Tag zu Tag, (1914) Nr. 10, S. 927-1020.

Eintrag Islam, Islamismus im Brockhaus (1809). Quelle: http://goo.gl/VFZfo

Auch in den deutschsprachigen Belegen vor 1900 (Nachweise der Belege bei Google | Lexikoneinträge bei zeno.org) wird Islamismus alsSynonym zu Islam und damit — abgesehen von kulturellen Stereotypen — zunächst als ein wertneutraler Begriff zur Bezeichnung einer, dem Christentum vergleichbaren, religiösen Weltanschauung verwendet. Wann genau der  Gebrauch im deutschsprachigen Diskurs in seiner Bedeutung im heutigen Sinne verengt wird, lässt sich ohne ein detailliertes Quellenstudium nicht sagen und hier in einem Blogartikel auch ohne Weiteres nicht leisten. Hier muss ich mich, zur Bildung möglicher Hypothesen, an den Daten orientieren, die mir die ersten Abfragen in den maschinenlesbaren Korpora liefern. Ein Neuansatz ist nach der Orientbegeisterung im 18./19. Jahrhundert und dem Ende der Kolonialzeit mit dem ersten Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu suchen, für das die Anfrage dann auch im deutschsprachigen Teilkorpus einen signifikanten Ausschlag zeigt. Intuitiv erwartet man, dass z.B. die  politischen Auseinandersetzungen wegen der Staatengründung Israels, der Sechstagekrieg (1967), das Olympia-Attentat (München 1972), die Entführung der Landshut (1977), weltweite Terroranschläge ab Mitte der 1980er, die Anschläge vom 11. September 2001, die Anschläge in Madrid (3. April 2004) sowie in London am 7. Juli 2005 den fundamentalistischen Islam signifikant in die öffentliche Wahrnehmung rückten.[2]

Islamism (GB / US), Islamisme, Islamismus (1950-2008)

Islamism (GB / US), Islamisme, Islamismus (1950-2008)

Keinesfalls, das sieht man an diesem Ausschnitt noch einmal besonders deutlich, ist es so, dass die Begriffe Islamism, Islamisme und Islamismus in den jeweiligen nationalsprachlichen Diskursen das gleiche Gewicht hätten. Das hat seine Ursachen u.a. sowohl in diskursiven wie morphosyntaktischen Bedingtheiten der jeweiligen Sprache und auch der Darstellung des N-Gram-Viewers sowie möglicherweise im gesellschaftlichen Umgang mit dem Phänomen, der sich im Diskurs niederschlägt. Dennoch ist nach 1970 in allen Teilkorpora zu beobachten, dass die Frequenz des Begriffes ansteigt — ab dieser Zeit häufen sich Anschläge islamistischer Terroristen weltweit.  Damit geht auch eine Neubesetzung (also Verengung) der Begriffsbedeutung (Islamism | Islamisme | und zu holzschnittartig vereinfachend: Islamismus) einher. Der besonders starke Ausschlag im deutschen Teilkorpus könnte jedoch auch auf einige Besonderheiten hinweisen.

Islamismus (1960-2008)

Islamismus (1960-2008)

Im Korpus ist nach dem Sechstagekrieg ein leichter Anstieg der Auftretenshäufigkeit des Begriffs Islamismus festzustellen, der erst nach dem Attentat 1972 wieder abnimmt. Einschneidender ist das Jahr 1977: Ab jetzt hat der Begriff im deutschen Teilkorpus Hochkonjunktur. Seit 1970 erschüttert die Rote Armee Fraktion (RAF) die deutsche Öffentlichkeit nachhaltig. Der Herbst 1977 gilt als Höhepunkt des Linksterrorismus — auf diese Wortbildung werden wir noch einmal zurückkommen — in Deutschland mit der Entführung der Landshut durch Terroristen, die damit u.a. die inhaftierten RAFler Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller freipressen wollten. Nach dem Scheitern der Entführung und der erfolgreichen Befreiung der Geiseln in Mogadischu begingen Baader, Ensslin und Raspe Suizid, nur Möller überlebte. Die Ermordung des durch die RAF entführten Hans-Martin-Schleyer steht wohl in direktem Zusammenhang mit diesen Ereignissen.

Terror, Terrorismus, Islam, Islamismus (1970-2008) im Korpus ger_2012. Der beobachtete Wert für Islamismus ist hier mit dem Faktor 10 multipliziert, um den Verlauf der Auftretenshäufigkeit im Vergleich zu den anderen Begriffen besser visualisieren zu können. Ohne diese rechnerische Anhebung der Frequenz wäre das Auftreten kaum zu interpretieren.

Während der Gebrauch von Terror im deutschsprachigen Diskurs im Zusammenhang der Ereignisse in den 70er und 80er Jahren keinen signifikanten Änderungen ausgesetzt ist (obwohl das Substantiv durch entsprechende Attribute wie islamistisch modifiziert werden könnte), gilt anderes für Terrorismus und Islamismus. Schauen wir aber noch einmal auf die Entwicklung des Begriffs Terrorismus in den 70ern und 80ern und beziehen die Begriffe Links– und Rechtsterrorismus in unsere Überlegungen ein:

Terrorismus, Rechtsterrorismus, Linksterrorismus und Islamismus im Korpus ger_2012 zwischen 1970 und 1986.

Terrorismus, Rechtsterrorismus, Linksterrorismus und Islamismus im Korpus ger_2012 zwischen 1970 und 1986. Die Frequenz für Rechts-, Linksterrorismus und Islamismus ist um den Faktor 100 angehoben.

Das Wortbildungsmittel der Komposition erlaubt es im Deutschen (während im Englischen und Französischen andere attributive Konstruktionen verwendet werden), den verschiedenen Spielarten des Terrorismus einen spezifizierten Begriff zuzuweisen. Deutlich ist zu erkennen, dass die Ereignisse des Jahres 1977 dazu geführt haben, dass im öffentlichen Diskurs nun auch zwischen Links- wie Rechtsterrorismus und Islamismus unterschieden wird und diese Begriffe sich neben dem allgemeinen Begriff Terrorismus (der dennoch, hier verzerrt die grafische Darstellung die Lage der Fakten, noch wesentlich häufiger im Korpus nachweisbar ist) sehr langsam etablieren.

Nachdem wir den Begriff Islamismus näher betrachtet haben, wenden wir uns jetzt den Begriffen Islamist, Islamisten (die Flexionsformen sind nicht sauber abzurufen) sowie islamistisch zu, die den Ausgangspunkt der Überlegungen bildeten.

Islamismus, Islamist, Islamisten und islamistisch im Korpus ger_2012 zwischen 1972 und 2008.

Islamismus, Islamist, Islamisten und islamistisch im Korpus ger_2012 zwischen 1970 und 2008.

Mit dem Begriff Islamismus etabliert sich gleichzeitig der Begriff Islamist in der Form Islamisten (Pl. sowie der Dat. Sg. und u.U. auch Akk. Sg.) nach dem Herbst 1977 im Diskurs, das Adjektiv islamistisch sowie die Form Islamist im Singular werden erst nach 1986 im Korpus häufiger verwendet. Im Vergleich zwischen islamistischer Terrorismus / islamistische Terroristen + islamistischen Terroristen und Islamismus / Islamisten kann für die Entwicklung des Diskurses hervorgehoben werden, dass sich letztes Paar eindeutig durchgesetzt hat.

Islamistische/n Terroristen, Islamisten, islamistischer Terrorismus, Islamismus im Korpus ger_2012 zwischen 1982 bis 2006.

Islamistische/n Terroristen, Islamisten, islamistischer Terrorismus, Islamismus im Korpus ger_2012 zwischen 1982 bis 2006.

Auch behaupten sich die Begriffe zu ähnlich gelagerten Stigmawörtern, wie Fundamentalismus / Fundamentalisten und Fanatismus / Fanatikern — allerdings mit einem Unterschied, der sich auch am Auftreten von Terrorismus / Terroristen zeigen ließe:

Islamismus, Islamisten, Fundamentalismus, Fundamentalisten, Fanatismus,Fanatikern im Korpus ger_2012 zwischen 1982 und 2006.

Islamismus, Islamisten, Fundamentalismus, Fundamentalisten, Fanatismus, Fanatikern im Korpus ger_2012 zwischen 1982 und 2006.

Bei keinem anderen Begriffspaar werden die einer Gruppe Zugehörigen signifikant häufiger bezeichnet als die Weltanschauung, der sie zugerechnet werden. Das lässt sich auch noch weiter ausdehnen auf  die Paare Sozialismus / Sozialisten oder Imperialismus / Imperialisten. Bei Kapitalismus / Kapitalisten oder Pietismus / Pietisten jedoch ist am Anfang der Entwicklung der Begriffspaare eine Zeitspanne auszumachen, in denen zuerst die Anhänger (mittels eines Stigmawortes) und dann ihre Weltanschauung benannt werden. Bei Islamismus / Islamisten überschneiden sich jedoch die Frequenzverläufe, was noch einmal als ein deutliches Indiz für die Bedeutungsverschiebung gewertet werden kann und gewissermaßen auch für eine negative Evaluierung der Islamisten:

Islamismus, Islamisten im Korpus ger_2012 (1820-2008)

Islamismus, Islamisten im Korpus ger_2012 (1820-2008)

Kennzeichnend ist, dass während in anderen Fällen in der Regel die Weltanschauung und weniger deren (vermeintliche) Anhänger im Vordergrund stehen, dies im Falle von Islamismus / Islamisten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entgegengesetzt ist. Was aber könnte das für Gründe haben?

III

Das ist nur eine Frage neben vielen anderen, zu der dieser kurze Artikel anregen möchte. Eine Hypothese könnte anhand der letzten Frage lauten, ob im öffentlichen Diskurs das Bild transportiert wird, dass durch die Aktivitäten der Islamisten der Islamismus als Weltanschauung überhaupt erst fassbar wird (und sich ‚missionarisch‘ ausbreitet) — in gewisser Weise wäre damit der Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen anders zu bestimmen als zwischen den anderen genannten Begriffspaaren. Eine weitere Hypothese könnte verfolgt werden, wenn man sich fragte, ob nicht ein anderer diskursiver Zusammenhang (keine Kollokation!) für den deutschsprachigen Diskurs typisch sei, wie z.B. von Terrorismus und Islamisten:

Terrorismus und Islamisten im Korpus ger_2012 zwischen 1986 und 2000.

Terrorismus und Islamisten im Korpus ger_2012 zwischen 1986 und 2000.

Zum Dritten könnte man der Frage nachgehen, ob — auch im nationalsprachlichen Vergleich — der Herbst 1977 im deutschsprachigen Diskurs dazu führte, dass sich eine spezifische Verwendung der Begriffe im Diskurs derart stabilisierte, dass im Morgenmagazin der Öffentlich Rechtlichen wie selbstverständlich der Begriff Islamisten verwendet werden kann, ohne diesen weiter zu spezifizieren. Die Gefahr beim Gebrauch solcher Stigmawörter besteht nämlich — und hier schließt sich die vierte Hypothese an — darin, dass nicht allen Teilnehmern einer Diskursgemeinschaft die feinen Unterschiede in der Begriffsverwendung und besonders die Begriffsgeschichte klar vor Augen stehen. Und wäre es nicht Aufgabe der Medien, die aktuellen Ereignisse in Ägypten und Mali auch begrifflich sauberer voneinander zu trennen, was nicht heißen soll, dass man sie verharmlose?[3]

[1] Vgl. dazu besonders die Arbeiten von Fritz Hermanns (1940-2007) zu den ‚brisanten Wörtern‘, die (u.a.) nun in einem Sammelband noch einmal zusammengestellt worden sind.

[2] Die Korpora decken das Jahr 2008 noch mit ab, die Anschlagsserie in Südfrankreich 2012 ist also derzeit nicht abbildbar.

[3] Anders jüngst: Was ist ein Islamist? NDR Info – 29.06.2014, 06:05 Uhr. Autor/in: Scholz, Reiner. Der Verfassungsschutz und die Innenbehörden werden nicht müde zu betonen, dass 99 Prozent aller Muslime, die in Deutschland leben, friedlich sind.

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  1. Pegida – Lügenhetzmassenmedien verheddern sich | Ein Parteibuch - 22. Dezember 2014

    […] in Afghanistan bezwungen hatten, ein neues Feindbild für einen neuen globalen Krieg aufbauten: das neue Feindbild war “Islamismus” und als neuer globaler Krieg wurde kurz darauf von zionistischen US-Vordenkern wie Bernard Lewis […]

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